Die größte Meldung dieser Woche war aus meiner Sicht das Urteil des Landgerichts München I zum Ladepreis-Wildwuchs, das noch nicht rechtskräftig ist. Diese fragwürdigen Praktiken haben nun jahrelang dazu beigetragen, dass das Aufladen von E-Autos für Elektromobilistinnen und -mobilisten schwieriger, komplizierter und undurchsichtiger gewesen ist, als es hätte sein müssen. Auch das ist etwas, was bei der Antriebswende ein echter Bremsklotz ist.
Fassungslos gemacht hat mich der Deal zwischen Merz und Macron, von dem FAZ und Handelsblatt berichten. Die beiden arbeiten offensichtlich weiter hart daran, die bitter notwendige Transformation unserer Autoindustrie und auch der französischen zu bremsen, indem sie genau die Ziele aufweichen, mit denen die Industrie arbeiten kann.
Was passieren muss, ist selbst Laien wie mir seit weit über 10 Jahren klar. Wir haben im CleanElectric-Podcast häufig über Autohersteller gesprochen und live dabei zugeschaut, wie sie die ganze Transformation ignorieren, statt das Zepter in die Hand zu nehmen und das Thema voranzutreiben. Es ist immer ein Hin und Her gewesen. Entweder haben die Hersteller gesagt, es gibt keine Kunden, oder die Kunden haben gesagt, es gibt keine Autos. Alle haben gesagt, die Politik setzt nicht den richtigen Rahmen, oder es liegt am Stromnetz oder an der Ladeinfrastruktur. Es war immer der jeweils andere schuld, damit man selbst nichts verändern musste. Dass wir immer noch über diese Themen diskutieren, dass immer noch die schon tote Technologie weiter gestützt wird, dass immer noch Milliarden an Subventionen in fossile Kraftstoffe investiert werden, macht mich wirklich nachhaltig wütend.
Dazu passt auch der Artikel vom Sonntag mit der Einschätzung von Fastned-Deutschlandchefin Linda Boll: Mehr als 850 Netzbetreiber können den Ausbau neuer Schnellladeparks um anderthalb bis zwei Jahre zurückwerfen, bei den Netzanschlüssen laufe „gerade was ganz, ganz schief“. An allen Ecken und Enden wird gebremst und behindert, obwohl mit auch nur ein wenig Abstand absolut klar zu sehen ist, wohin der Weg gehen muss. Die Entscheidung in Deutschland muss eine für die Zukunft sein. Denn wenn wir weiter unsere Energie, unsere Zeit und unser Geld in die Technologien aus dem letzten Jahrtausend stecken, werden wir als die Letzten im aktuellen Jahrtausend ankommen und damit für Jahrzehnte zu kämpfen haben.