V2L
Vehicle-to-Load
Das Auto versorgt Geräte direkt, wie eine mobile Steckdose: Wasserkocher, Laptop oder Föhn auf dem Campingplatz. Es gibt keine Verbindung zum Stromnetz.
Dossier
Vehicle-to-Grid heißt: Das E-Auto gibt bei Bedarf Strom aus seiner Batterie ins Netz zurück. Technik und erste Angebote gibt es. Gebremst wird V2G in Deutschland bisher von Regeln, Messtechnik und fehlenden Standards.
Stand: 10. Oktober 2026 · 10 Artikel · Redaktion Electric Shift
Vehicle-to-Grid (V2G) bedeutet: Ein Elektroauto lädt nicht nur, es gibt bei Bedarf auch Strom aus seiner Batterie wieder ab. Das Auto wird damit zum Stromspeicher. Es lädt, wenn Strom reichlich und günstig ist, und speist zurück, wenn er knapp und teuer ist.
Warum das interessant ist, rechnet der Energieexperte Tim Meyer vor: Ein Auto mit 40 oder 60 Kilowattstunden Batterie hat mehr Speicher als eine typische Heimbatterie. Wären nur 10 bis 15 Prozent der knapp 50 Millionen Pkw in Deutschland regelmäßig angeschlossen, entstünden laut Meyer Speicherkapazitäten von mehreren hundert Gigawattstunden, ein Mehrfaches der heutigen Pumpspeicher. Meyer verweist auf eine Fraunhofer-Studie, die für das Energiesystem eine Entlastung von gut acht Milliarden Euro im Jahr ergibt, wenn bidirektionales Laden flächendeckend genutzt würde.
Eine Fraunhofer-ISI-Studie im Auftrag von Transport & Environment beziffert die jährlichen Systemkosteneinsparungen durch V2G in Europa bis 2040 auf rund 11,7 Milliarden Euro, vorausgesetzt die EU-CO₂-Ziele für Pkw bleiben intakt.
Belege: Tim Meyer im electrive-Interview · Studie von Fraunhofer ISI für T&E
V2L
Das Auto versorgt Geräte direkt, wie eine mobile Steckdose: Wasserkocher, Laptop oder Föhn auf dem Campingplatz. Es gibt keine Verbindung zum Stromnetz.
V2H
Das Auto ergänzt den Batteriespeicher im Haus. Dafür braucht man eine passende DC-Wallbox. Bei Audi ist die Funktion für Deutschland, Österreich und die Schweiz angekündigt, Details nennt der Hersteller noch nicht.
V2G
Das Auto speist ins öffentliche Netz zurück oder wird am Strommarkt gehandelt, meist gebündelt über einen Dienstleister. Hier greifen Netzentgelte, Messung und Abrechnung, und hier hakt es in Deutschland.
Drei Entscheidungen bestimmen, ob V2G in Deutschland in die Breite kommt. Stand: 10. Oktober 2026.
Die Bundesnetzagentur hat die Festlegung am 1. Oktober 2026 beschlossen. Bidirektionale Ladepunkte werden dabei Stromspeichern gleichgestellt. Es gibt eine Abgrenzungsoption und für kleine Solaranlagen bis 30 kWp eine Pauschaloption. Bis Ende September 2027 braucht man das Einverständnis von Netzbetreiber und Messstellenbetreiber, die Pauschaloption wartet zusätzlich auf die beihilferechtliche Genehmigung.
Unser Artikel vom 7. August beschreibt noch den Arbeitsstand.
Quelle: Bundesnetzagentur: MiSpeL · Unser Artikel: AgNes und MiSpeL: Bundesnetzagentur räumt zwei Kernhürden für Vehicle-to-Grid aus dem Weg
Die Konsultation des Entwurfs lief bis 18. September 2026. Die Rahmenfestlegung soll Ende 2026 beschlossen werden, weitere Festlegungen folgen 2027, verbindlich wird die neue Systematik ab 2029. Rückgespeister Strom soll von den verbrauchsabhängigen Arbeitspreisen befreit werden, wenn er messtechnisch eindeutig abgegrenzt ist.
Quelle: Bundesnetzagentur: AgNes · Unser Artikel: AgNes und MiSpeL: Bundesnetzagentur räumt zwei Kernhürden für Vehicle-to-Grid aus dem Weg
Der Kabinettsentwurf vom 29. Juli will die Einspeisung neuer Solaranlagen unter 100 kW am Netzanschlusspunkt auf 50 Prozent der installierten Leistung begrenzen. Das träfe auch Speicher und bidirektional ladende Autos hinter demselben Anschluss. Auto- und Solarbranche fordern Änderungen. Die Anhörung im Bundestag war am 5. Oktober. Nach dem Zeitplan, den der BEE schildert, sollen zweite und dritte Lesung in der Woche danach folgen. Ob und wie Paragraf 9 geändert wird, ist offen.
Quelle: pv magazine: Anhörungen zu EEG 2027 und Netzpaket · Unser Artikel: EEG-Novelle 2027: Paragraf 9 droht Vehicle-to-Grid abzuwürgen
September 2025
Die Bundesnetzagentur legt den ersten Entwurf zu MiSpeL vor, der Speicher und bidirektionale Ladepunkte am Markt gleichstellen soll. Im selben Monat startet Enercity sein V2G-Projekt mit einem einzelnen Fahrzeug an einem virtuellen Kraftwerk.
Bundesnetzagentur, Pressemitteilung · Enercity handelt mit 12 ID. Buzz an der Strombörse: V2G verlässt den Pilotmodus
1. Januar 2026
Eine Regelung tritt in Kraft, die aus E-Auto-Batterien rückgespeisten Strom wie Speicherstrom behandelt und von doppelten Netzentgelten befreit. Zur genauen Rechtsgrundlage gibt es abweichende Angaben, siehe „Was wir nicht sicher wissen“.
Bidirektionales Laden: 720 Euro Versprechen, aber der Hochlauf lässt auf sich warten
März 2026
Enercity und VW Nutzfahrzeuge unterzeichnen eine Kooperationsvereinbarung. Enercity betreibt 75 ID. Buzz in der eigenen Serviceflotte.
Enercity handelt mit 12 ID. Buzz an der Strombörse: V2G verlässt den Pilotmodus
Mai 2026
Enercity vermarktet erstmals eine Firmenflotte im Realbetrieb am Strommarkt: 12 ID. Buzz, 53 Stunden, 145 Handelsvorgänge, ein Erlös im niedrigen dreistelligen Euro-Bereich.
Enercity handelt mit 12 ID. Buzz an der Strombörse: V2G verlässt den Pilotmodus
12. Juni 2026
Eine Fraunhofer-ISI-Studie für Transport & Environment beziffert, was schwächere EU-CO₂-Ziele für Pkw das V2G-Potenzial und das Stromsystem kosten würden.
Weniger E-Autos kosten Europa 150 Kraftwerke und 25 Milliarden Euro im Jahr
19. Juni 2026
The Mobility House, EcoG und EV-Tech bringen die ChargeLine BiDi zur Serienreife, eine bidirektionale 800-Volt-DC-Wallbox mit 11 kW und offenen Standards (ISO 15118-20, OCPP 2.1).
Drei deutsche Firmen bringen bidirektionale DC-Wallbox mit 11 kW zur Serienreife
Juni 2026
Elli und The Mobility House kündigen ein V2G-Angebot für den Volumenmarkt an. Marktstart soll Ende des Jahres sein.
EEG-Novelle 2027: Paragraf 9 droht Vehicle-to-Grid abzuwürgen
29. Juli 2026
Das Bundeskabinett beschließt den Entwurf der EEG-Novelle 2027 mit der 50-Prozent-Kappung in Paragraf 9.
EEG-Novelle 2027: Paragraf 9 droht Vehicle-to-Grid abzuwürgen
Anfang August 2026
Die Bundesnetzagentur stellt den Entwurf zu AgNes zur Konsultation und veröffentlicht einen Arbeitsstand zu MiSpeL.
AgNes und MiSpeL: Bundesnetzagentur räumt zwei Kernhürden für Vehicle-to-Grid aus dem Weg
Ende August 2026
Autoindustrie, Solar- und Speicherbranche kritisieren, dass die Kappung in Paragraf 9 auch Heimspeicher und V2G treffen würde.
EEG-Novelle 2027: Paragraf 9 droht Vehicle-to-Grid abzuwürgen
10. September 2026
Der Audi A2 e-tron wird bestellbar, mit V2H-Funktion für den Hausspeicher in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Audi A2 e-tron: 12,8 kWh/100 km und bidirektionales Laden ab 38.200 Euro
18. September 2026
Die Frist für Stellungnahmen zum AgNes-Entwurf endet.
1. Oktober 2026
Die Bundesnetzagentur beschließt MiSpeL endgültig.
5. Oktober 2026
Der Bundestag hört Sachverständige zur EEG-Novelle an.
Ende 2026
Die AgNes-Rahmenfestlegung soll beschlossen werden. Elli und The Mobility House wollen mit ihrem V2G-Angebot starten.
AgNes und MiSpeL: Bundesnetzagentur räumt zwei Kernhürden für Vehicle-to-Grid aus dem Weg
2027
Konkretisierende AgNes-Festlegungen folgen. Die geplante 50-Prozent-Kappung würde ab 2027 für neue Anlagen gelten, falls der Bundestag sie unverändert beschließt.
EEG-Novelle 2027: Paragraf 9 droht Vehicle-to-Grid abzuwürgen
30. September 2027
Die Übergangsregel bei MiSpeL endet, bis dahin nur mit Einverständnis von Netz- und Messstellenbetreiber.
2029
Die neue Netzentgeltsystematik AgNes wird verbindlich.
AgNes und MiSpeL: Bundesnetzagentur räumt zwei Kernhürden für Vehicle-to-Grid aus dem Weg
V2L versorgt Geräte direkt am Auto, V2H ergänzt den Speicher im eigenen Haus, V2G speist ins öffentliche Netz oder nimmt am Strommarkt teil. Je weiter rechts, desto mehr Technik, Messung und Regulierung sind nötig. V2L funktioniert deshalb schon heute im Alltag.
Mehr dazu: Kia EV5 als Camping-Kraftwerk: 24,4 kWh/100 km mit Wohnwagen am Haken · Audi A2 e-tron: 12,8 kWh/100 km und bidirektionales Laden ab 38.200 Euro
Angeboten wird es bereits: E.ON zahlt BMW-iX3-Fahrern laut electrive 24 Cent für jede Stunde, in der das Auto mit der bidirektionalen Wallbox verbunden ist, das sind bis zu 720 Euro im Jahr. Auch Elli wirbt mit bis zu 720 Euro. Praxisberichte dazu sind laut electrive „äußerst rar“.
Dazu kommen Kosten: Die bidirektionale Wallbox und das kompatible Fahrzeug sind mit Aufpreis verbunden. Ob sich das rechnet, hängt auch davon ab, ob die geplante 50-Prozent-Kappung im EEG kommt.
Mehr dazu: Bidirektionales Laden: 720 Euro Versprechen, aber der Hochlauf lässt auf sich warten · EEG-Novelle 2027: Paragraf 9 droht Vehicle-to-Grid abzuwürgen
Der Volkswagen-Konzern gilt als Vorreiter: Fahrzeuge vom Polo bis zum Skoda Epiq sind laut electrive V2G-ready. Elli nennt rund eine Million Fahrzeuge auf der MEB-Plattform, die europaweit technisch vorbereitet sind, gut 360.000 davon in Deutschland. Der Audi A2 e-tron soll V2H können. The Mobility House Energy plant einen V2G-Stromtarif für den Renault 5 und den Mercedes GLC.
Zum Vergleich: Ende 2024 waren laut e-mobil BW rund 166.000 von etwa 1,65 Millionen E-Autos in Deutschland grundsätzlich bidirektional ladefähig. Die Zahlen stammen aus unterschiedlichen Quellen und Jahren und sind nicht direkt vergleichbar. Technisch vorbereitet heißt außerdem nicht, dass schon ein Angebot nutzbar ist.
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Ja. Für V2G und V2H ist eine bidirektionale Wallbox nötig, die per Gleichstrom (DC) arbeitet. Neu ist die ChargeLine BiDi von The Mobility House, EcoG und EV-Tech: 800 Volt, 11 kW, offene Standards (ISO 15118-20, OCPP 2.1). Eine DC-Wallbox von Ambibox, produziert von Nebula, kommt bei Skoda und Moon zum Einsatz.
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Bisher wurde rückgespeister Strom doppelt belastet, beim Laden und noch einmal beim Zurückspeisen. Mit MiSpeL und AgNes soll sich das ändern: Rückgespeister Strom soll von den verbrauchsabhängigen Arbeitspreisen befreit werden, wenn er messtechnisch eindeutig abgegrenzt wird. Bilanziert wird der Ladepunkt, nicht das einzelne Auto.
Ganz ohne Netzkosten bleibt V2G trotzdem nicht: Die gemeinsam genutzte Anschlusskapazität bleibt kostenpflichtig, und Fahrstrom sowie nicht privilegierte Verluste bleiben belasteter Letztverbrauch. Dynamische Netzentgelte für Speicher in den höheren Netzebenen sind erst zwischen 2030 und 2033 geplant.
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Der Kabinettsentwurf will neue Solaranlagen unter 100 Kilowatt auf 50 Prozent ihrer installierten Leistung begrenzen. Die Grenze gilt nicht am Wechselrichter, sondern am Netzanschlusspunkt des Grundstücks, und damit auch für Heimspeicher, Wärmepumpen und die Batterie eines E-Autos. Wer sein Auto in einem kurzen Zeitfenster mit voller Leistung entladen will, wäre ausgebremst.
Das Ministerium will damit Eigenverbrauch anreizen. Kritiker wie der VDA, Elli, 1Komma5° und Enpal halten die Pauschalität für das Problem. Naheliegende Nachbesserung: eine dynamische Grenze, die nur dort greift, wo Netze tatsächlich eng sind. Der aktuelle Stand steht oben in „Wo stehen die Vorhaben?“.
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In Deutschland im Pilotmaßstab: Enercity hat im Mai 2026 zwölf ID. Buzz 53 Stunden lang wie einen stationären Speicher am Intraday-Markt eingesetzt, mit 145 Handelsvorgängen und einem Erlös im niedrigen dreistelligen Bereich. Gehandelt wurden 0,1 MW, die Mindestgröße für den Energiemarkt. The Mobility House betreibt mit Renault und Mobilize in Frankreich laut electrive seit 2024 kommerzielles V2G.
Mehr dazu: Enercity handelt mit 12 ID. Buzz an der Strombörse: V2G verlässt den Pilotmodus · Bidirektionales Laden: 720 Euro Versprechen, aber der Hochlauf lässt auf sich warten
Genannt werden vor allem fehlende Standardisierung, ein schleppender Smart-Meter-Rollout, Batteriegarantie-Risiken und fehlende skalierbare Geschäftsmodelle. Laut Bundesnetzagentur sind nur 5,5 Prozent der Messstellen mit intelligenten Messsystemen ausgestattet. In der ISO 15118-20 sind laut Task 53 der Internationalen Energieagentur von 186 Parametern im dynamischen Modus noch 57 optional.
Für eine bundesweite Skalierung müssten laut Enercity mehr als 700 Netzbetreiber ihre Abrechnungssysteme anpassen. Realistisch dürfte bidirektionales Laden zuerst bei Firmenflotten in die Breite gehen. Für den Massenmarkt nennt der electrive-Artikel 2030 als mögliches Datum. Das ist eine Einschätzung, keine Prognose mit Belegen.
Mehr dazu: Bidirektionales Laden: 720 Euro Versprechen, aber der Hochlauf lässt auf sich warten · Enercity handelt mit 12 ID. Buzz an der Strombörse: V2G verlässt den Pilotmodus
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Bevor er als „Elektrotrucker" auf YouTube bekannt wurde, war Tobias Wagner Werkstudent in einer 2-Prozent-Nische, Gründer eines Ladeinfrastruktur-Startups und Pitcher vor laufender Kamera bei „Höhle der Löwen".