Obrist ist insolvent. Das österreichische Entwicklungsunternehmen hat vor dem Landesgericht Feldkirch den wirtschaftlichen Zusammenbruch erklärt. Für die Vorarlberger Tochtergesellschaften Obrist Powertrain GmbH und Obrist Technologies GmbH laufen eigene Konkursverfahren, zusammen mit der insolventen deutschen Tochter Obrist DE summieren sich die Schulden der drei Einheiten auf rund 31,8 Millionen Euro.

Bekannt wurde Obrist mit einem ungewöhnlichen Umbau: Die Ingenieure nahmen batterieelektrische Serienmodelle wie das Tesla Model 3 und bauten unter dem Namen „HyperHybrid“ einen kompakten Zweizylinder-Benziner als Generator in den Frunk. Die Idee dahinter: ein serieller Hybrid mit kleinerem Akku, der Kosten und Gewicht senkt. Später kam ein Verfahren zur Herstellung von synthetischem Methanol aus atmosphärischem CO₂ dazu. Trotz ehrgeiziger Ankündigungen zu Großprojekten und Serienlizenzen brachte Obrist nie ein Serienfahrzeug auf den Markt und fand keine festen Abnehmer in der Automobilindustrie.

Die Zahlen zeigen, wie ungleich die beiden österreichischen Töchter belastet sind: Die Obrist Powertrain GmbH bringt es auf etwa 18,85 Millionen Euro Schulden, die Obrist Technologies GmbH auf rund 6,08 Millionen Euro. Laut den Insolvenzanträgen ist eine Sanierung ausgeschlossen, die Betriebe werden sofort geschlossen und abgewickelt. 14 Mitarbeitende sind betroffen.

Nicht betroffen ist das rechtlich eigenständige Stammunternehmen Obrist Engineering. Es fertigt mit rund 30 Beschäftigten Komponenten für Fahrzeug-Klimatisierung und Thermomanagement und gilt laut lokalen Medien unter Berufung auf Obrist als wirtschaftlich stabil.

Als Hauptursache nennt die Geschäftsführung jahrelange, hohe Ausgaben für Entwicklung und Patentschutz, denen keine Einnahmen aus Lizenzverkäufen gegenüberstanden. Verhandlungen mit ausländischen Investoren über ein rettendes Joint Venture sind gescheitert. Dazu kam die anhaltende Absatzkrise der europäischen Automobilindustrie. Der Alpenländische Kreditorenverband (AKV) sieht zusätzlich den Umschwung europäischer Hersteller hin zu rein batterieelektrischen Fahrzeugen als Ursache. Gerichtlich bestellte Masseverwalter sollen nun das verbliebene Sachvermögen sowie das Patentportfolio von Obrist Technologies für die Gläubiger verwerten.

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