Die drei großen Fraktionen im EU-Parlament, die konservative EVP, die sozialdemokratische S&D und die liberale Renew Europe, haben sich laut übereinstimmenden Berichten von „Spiegel" und Reuters auf ein neues CO2-Ziel für Neuwagen geeinigt. Statt wie ursprünglich vorgesehen 100 Prozent Reduktion bis 2035 sollen es nur noch 87,5 Prozent gegenüber 2021 sein. Weitere 7,5 Prozentpunkte können Hersteller über in der EU produzierten, klimaschonenden Stahl ausgleichen. Macht man die Rechnung auf, bleibt am Ende eine Lücke von rund 5 Prozent, die weiterhin mit Verbrennern und Hybriden gefüllt werden darf. Das de facto Verbrenner-Aus ab 2035 ist damit vom Tisch, zumindest in der bisher bekannten Form.

Damit weicht der Parlaments-Kompromiss sogar vom eigenen Vorschlag der EU-Kommission ab. Die hatte Ende 2025 ein Reduktionsziel von 90 Prozent vorgeschlagen, was einem Flottenausstoß von elf statt null Gramm CO2 pro Kilometer entspricht, kompensierbar über grünen Stahl und klimaneutrale Kraftstoffe wie E-Fuels oder Biosprit. Der Vorstoß der Kommission kam unter Druck der Autoindustrie und auch aus Deutschland zustande, weil die Branche vor einer Verschärfung der ohnehin schon laufenden Krise gewarnt hatte.

Parallel dazu haben sich Bundeskanzler Friedrich Merz und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron auf eine eigene Position verständigt: 90 Prozent CO2-Minderung bis 2035, aber ganz ohne Kompensation über Grünstahl. Dieser deutsch-französische Kompromiss gilt als Richtschnur für die spätere Abstimmung im Rat der EU-Mitgliedstaaten, der nach dem Parlament ohnehin noch zustimmen muss. Dass sich Frankreich dabei überhaupt bewegt hat, ist bemerkenswert: Bislang zählte Paris eher zu den Ländern, die auf strengere Ziele pochten. Im Gegenzug soll Deutschland Frankreich nun bei den „Buy European"-Vorgaben unterstützen, ein klassischer Brüsseler Tauschhandel.

Zeitlich wird es jetzt eng: Verkehrsausschuss und Industrieausschuss des EU-Parlaments stimmen bereits am Donnerstag über die Reform ab, der Umweltausschuss soll Anfang November folgen, das Plenum voraussichtlich im Dezember. Danach ist der Rat am Zug, wo eine qualifizierte Mehrheit nötig ist: mindestens 15 Länder, die zusammen 65 Prozent der EU-Bevölkerung stellen. Bis dahin dürften noch etliche Interessengruppen versuchen, den Text in ihrem Sinne zu verändern.

An anderen Stellschrauben bleibt der ursprüngliche Kommissionsvorschlag unverändert im Spiel. Für die Zwischenetappe 2030 soll der feste Zielwert über mehrere Jahre gestreckt werden, laut Kommissionsentwurf von 2030 bis 2032, laut Parlamentsversion als Durchschnitt der Jahre 2029 bis 2031. Bei Transportern wird das 2030er-Ziel von ursprünglich 50 auf 40 Prozent gesenkt, weil sich E-Fahrzeuge in diesem Segment bisher schwerer durchsetzen. Kleine, günstige E-Autos unter 4,20 Metern Länge sollen über sogenannte Super-Credits stärker gefördert werden: Ein verkaufter ID. Polo würde bei VWs Flottenbilanz nicht als ein, sondern als 1,3 Fahrzeuge gezählt. Dazu kommen 1,5 Milliarden Euro für einen „Battery Booster", mit dem eine komplett europäische Batterie-Lieferkette aufgebaut werden soll, inklusive zinsloser Darlehen für Zellhersteller.

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