Europa verbraucht rund 4 Milliarden Barrel Öl pro Jahr, macht pro EU-Bürger etwa 4 Liter am Tag. 97 Prozent davon kommen aus dem Ausland. Wie teuer diese Abhängigkeit werden kann, zeigte der Iran-Konflikt 2026: Zwischen März und August störten Probleme in der Straße von Hormus den Schiffsverkehr, die Mehrkosten für Europa lagen bei 46 Milliarden Euro, macht 10 Millionen Euro pro Stunde.

Das ICCT hat deshalb durchgerechnet, wie stark die Elektrifizierung von Pkw und Transportern diese Ölabhängigkeit senken könnte, und dabei drei Szenarien für die aktuell überarbeiteten CO2-Flottengrenzwerte verglichen. Straßenverkehr macht fast die Hälfte des gesamten Öl- und Mineralölverbrauchs in der EU-27 aus, ist also der Hebel mit der größten Wirkung.

Szenario eins sind die aktuell geltenden Standards: 100 Prozent weniger Auspuffemissionen bis 2035, praktisch heißt das Vollelektrisch-Pflicht für Neuwagen ab diesem Jahr. Szenario zwei ist der Vorschlag der EU-Kommission von Dezember 2025, der mit "kohlenstoffarmem" Stahl und erneuerbaren Kraftstoffen aufweicht und das reale Ziel auf 90 Prozent Reduktion drückt, laut ICCT-Schätzung wären dann 2035 rund 83 Prozent der Neuwagen vollelektrisch. Szenario drei ist der Entwurf von Massimiliano Salini, Berichterstatter im Umweltausschuss des EU-Parlaments: Er würde die Flexibilitäten für Hersteller massiv ausweiten. Das ICCT rechnet hier nur mit 46 Prozent Elektroanteil bei Neuwagen 2035, weil die Flexibilitäten in diesem Modell schwer kalkulierbar sind.

Für die Berechnung der Importabhängigkeit nutzte das ICCT sein globales Verkehrsemissionsmodell Roadmap, das Fahrzeugaktivität in über 185 Ländern erfasst. Der Unterschied zwischen den Szenarien ist frappierend: Unter den aktuellen Standards sinkt die Importabhängigkeit der Energie, die Pkw und Vans verbrauchen, bis 2045 unter 50 Prozent, mehr als die Hälfte käme dann aus heimischer Produktion. Beim Kommissionsvorschlag verschiebt sich dieser Meilenstein auf 2050. Unter dem Salini-Entwurf wird er nie erreicht: 2050 wären laut ICCT immer noch 81 Prozent der verbrauchten Energie importiert.

Schon 2035 zeigt sich der Unterschied. Aktuelle Standards und Kommissionsvorschlag würden dann rund ein Drittel der Flotte vollelektrisch machen und die Importabhängigkeit von derzeit 94 auf 82 Prozent drücken. Unter Salini bliebe sie bei 90 Prozent.

Selbst wenn mehr als die Hälfte der Flotte batterieelektrisch fährt, wie 2040 unter den aktuellen Standards erwartet, liegt die Importabhängigkeit laut ICCT noch bei 66 Prozent. Der Grund liegt in der Physik: Ein durchschnittlicher 2025 verkaufter Benziner braucht laut ICCT dreimal so viel Energie pro Kilometer wie ein durchschnittliches batterieelektrisches Fahrzeug. Jeder Verbrenner oder Plug-in-Hybrid, der heute neu in die Flotte kommt, zieht die Importabhängigkeit laut ICCT für die nächsten 15 bis 20 Jahre mit.

Bei den Ölimportmengen insgesamt zeigt sich die gleiche Kluft: Die aktuellen Standards würden die Importe zwischen 2025 und 2050 um 90 Prozent senken, der Kommissionsvorschlag nur um 75 Prozent, der Salini-Entwurf begrenzt die Reduktion auf gerade einmal 26 Prozent. In Euro gerechnet würde das Festhalten an den aktuellen Zielen laut ICCT allein 2030 Einsparungen von 8 Milliarden Euro gegenüber dem Salini-Szenario bringen, berechnet mit dem Brent-Ölpreis-Durchschnitt 2026 bis Ende September. Das würde laut ICCT locker die jährlichen Investitionen decken, die für grenzüberschreitende Netzverbindungen und Speicherkapazität im Rahmen des europäischen Grids Package nötig sind.

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