Renault und EDF bringen bis Sommer 2027 ein bidirektionales Ladeangebot für Privatkunden in Frankreich auf den Markt. Das Versprechen: bis zu 10.000 gefahrene Kilometer pro Jahr an Ladekosten sparen, einfach weil das Auto in der Garage steht und dabei Strom zurück ins Netz speist.

Was konkret kommt

Renault, EDF sowie die EDF-Töchter IZI by EDF und Dreev haben eine Partnerschaft geschlossen, die Vehicle-to-Grid-Technologie (V2G) für Renault-, Alpine- und Dacia-Elektroautos in Frankreich alltagstauglich machen soll. Über das Händlernetz der Renault Group gibt es künftig ein Komplettpaket: Installation einer Heim-Ladestation durch IZI by EDF plus intelligentes Lademanagement.

Die Kooperation deckt drei Bereiche für Einfamilienhäuser ab. Erstens Verkauf und Installation der Ladegeräte. Zweitens Services, die den Ladevorgang vereinfachen und optimieren. Drittens neue Energiedienste, die die gespeicherte Batterieenergie für Haushaltsanwendungen nutzbar machen oder bei Bedarf ins Netz einspeisen, also klassisches V2G, perspektivisch ergänzt um Vehicle-to-Home (V2H).

Warum das mehr ist als ein PR-Termin

Die Zahl von bis zu 10.000 Kilometern Ersparnis pro Jahr hängt laut Renault stark vom Fahrzeugmodell, Verbrauch und der Standzeit an der Wallbox ab, ist also eine Bandbreitenangabe, kein Garantiewert. Trotzdem zeigt sie, worum es wirtschaftlich geht: Die Batterie soll nicht mehr nur warten, sondern aktiv Geld sparen, während das Auto ohnehin an der Steckdose hängt.

EDF bringt über seine Tochter Dreev laut eigenen Angaben bereits Erfahrung mit mehr als 100.000 Kunden in Frankreich und Europa mit intelligenten Ladelösungen mit. Das ist relevant, weil V2G technisch längst erprobt ist, die eigentliche Hürde aber im Massenmarkt liegt: Kunden müssen einen handfesten Vorteil sehen, damit sich bidirektionales Laden lohnt.

Renault ist beim Thema kein Neuling. Das Unternehmen hat bereits 2024 ein V2G-Angebot in Frankreich gestartet und kooperiert seit November des Vorjahres mit dem V2G-Spezialisten We Drive Solar in den Niederlanden. Gleichzeitig hat Renault im Dezember seine Mobilize-Sparte für Ladeinfrastruktur, Finanzierung und Software in die Hauptgruppe integriert, dabei rund ein Fünftel der Stellen gestrichen und manche Aktivitäten eingestellt. Die neue EDF-Partnerschaft wirkt wie ein Versuch, V2G trotz dieser Umstrukturierung skalierbar zu halten, diesmal mit einem spezialisierten Energiekonzern in Frankreich an der Seite.

Konkurrenz gibt es auch anderswo: BMW hat im Februar mit dem Energiekonzern E.On nach eigener Aussage das erste V2G-Kundenpaket in Deutschland geschnürt. Das zeigt, dass bidirektionales Laden europaweit vom Pilotprojekt zum Verkaufsargument wird, nicht nur in Frankreich.

Warum es zählt

Wenn Millionen E-Autos nachts ungenutzt an der Wallbox hängen, ist das verschenktes Potenzial für die Netzflexibilität und den Geldbeutel der Besitzer. Gelingt es Renault und EDF, V2G über das Händlernetz massentauglich und einfach verkäuflich zu machen, könnte das zum Vorbild werden, wie Autohersteller und Energieversorger Flottenbatterien als Netzressource erschließen, auch über Frankreich hinaus.

Quellen

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