0,72 Cent pro Kilowattstunde: So wenig EEG-Förderung brauchen neue Wind- und Solaranlagen laut einer Studie von enervis energy advisors im Auftrag des Landesverbandes Erneuerbare Energien NRW (LEE NRW). Beim vergleichbaren EEG-Bestandsportfolio liegt der Wert bei 6,58 Cent. Das macht neue Anlagen rund 89 Prozent günstiger als der Altbestand.

Konkret geht es um Wind- und Solaranlagen mit 37,8 Gigawatt Leistung, die seit Anfang 2025 den Zuschlag erhalten haben. Sie sollen künftig 55,8 Terawattstunden Strom pro Jahr liefern. Dafür errechnet enervis EEG-Zahlungen von insgesamt rund 400 Millionen Euro jährlich. Zum Vergleich: Der für drei Monate geplante Tankrabatt 2026 kostet den Staat laut Bundesfinanzministerium rund 2,5 Milliarden Euro an Steuermindereinnahmen, mehr als das Sechsfache der jährlichen Förderkosten für die untersuchten Neuanlagen.

LEE-NRW-Geschäftsführer Christian Vossler sieht darin ein Problem für die öffentliche Debatte: „Wer die milliardenschweren Zahlungen des historisch gewachsenen EEG-Portfolios heranzieht, um die Kosten des heutigen Ausbaus zu beschreiben, führt die Öffentlichkeit in die Irre.“ Der Eindruck, neue Anlagen seien weiterhin hoch subventioniert, sei falsch. Das ist relevant, weil der Bundestag aktuell über kürzere Förderzeiträume und niedrigere Ausschreibungshöchstwerte für neue Erneuerbare berät.

Die Studie rechnet dabei nicht nur mit den aktuell niedrigsten Werten. Bei der Windenergie fließen Ausschreibungsrunden seit Anfang 2025 ein: Der durchschnittliche Zuschlagswert lag Anfang 2025 noch bei 7,00 Cent pro Kilowattstunde, im Mai 2026 bei 5,06 Cent. Die nochmals niedrigeren Ergebnisse aus der zweiten Jahreshälfte 2026 sind gar nicht berücksichtigt, die Studie bildet also bewusst einen vorsichtigeren Durchschnitt ab. Das ist wichtig, weil sich Finanzierungskosten ändern können und die Zuschlagswerte nicht dauerhaft auf dem aktuellen Tiefstand bleiben müssen.

Vossler beschreibt einen Funktionswandel des EEG: Es sei „zunehmend weniger ein klassisches Förderinstrument als eine Absicherung für Investitionen“. Es schafft Erlössicherheit und ermöglicht günstige Finanzierung. Reichen die Markterlöse aus, sinken die EEG-Zahlungen, bis auf null. Besonders deutlich wird das in Energiekrisen: Steigen Strompreise durch teurere fossile Brennstoffe, steigen auch die Markterlöse von Wind und Sonne, der Förderbedarf sinkt dann statt zu steigen. Für neuere Anlagen kann die Marktprämie in solchen Phasen komplett entfallen.

Der Zusammenhang zwischen Strompreis und Förderkosten zeigt sich auch in den EEG-Gesamtzahlen für Deutschland. Laut einer Auswertung von zfk.de sanken die Förderzahlungen seit 2024, weil der durchschnittliche Börsenstrompreis im Großhandel von 68 Euro pro Megawattstunde im ersten Halbjahr 2024 auf 99 Euro im ersten Halbjahr 2026 stieg, obwohl Erneuerbare im gleichen Zeitraum sechs Terawattstunden mehr Strom erzeugten. Für 2026 hat der Bundestag 16,2 Milliarden Euro an EEG-Zuschüssen bewilligt, deutlich weniger als Mitte der 2010er-Jahre, als die Kosten bei über 20 Milliarden Euro jährlich lagen. Im ersten Halbjahr 2026 wurden davon 7,5 Milliarden Euro ausgezahlt, mehr als die Hälfte des bewilligten Budgets steht also noch zur Verfügung.

Der LEE NRW warnt davor, aus diesen hohen historischen Gesamtzahlungen einen Kürzungsbedarf für Neuanlagen abzuleiten. „Wir diskutieren bei neuen Erneuerbaren über jeden Zehntelcent Förderung, während für andere energiepolitische Maßnahmen Milliardenbeträge mobilisiert werden“, so Vossler. Er fordert, alle Instrumente mit demselben Maßstab zu bewerten.

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