Belgien und Deutschland zeigen gerade, wie unterschiedlich Kapazitätsmärkte wirken können. Der belgische Netzbetreiber Elia hat die Ergebnisse seiner Capacity Remuneration Mechanism (CRM) Auktionen für die Lieferperioden 2027/28, 2028/29 und 2030/31 veröffentlicht. Für 2028/29 beschaffte Elia 1,6 GW Kapazität, davon 0,5 GW Batteriespeicher, zu Kosten von rund 34 Millionen Euro und einem gewichteten Durchschnittspreis von 21.643 Euro pro MW und Jahr. Für 2030/31 kamen weitere 0,8 GW dazu, wieder 0,5 GW davon Batterien, zu rund 14 Millionen Euro und 18.143 Euro pro MW und Jahr.
Zusammengerechnet hat Elia in beiden Auktionen 2,4 GW beschafft, davon gut 38 Prozent, also 1 GW, Batteriespeicher. Für 2027/28 wurde gar keine neue Kapazität benötigt, frühere Zuschläge reichten aus. Der CRM-Mechanismus füllt in Belgien die Lücke, die der Atomausstieg hinterlässt, und läuft seit 2021. Seitdem gehen Jahr für Jahr Hunderte Megawatt an Batterieprojekte, was Belgien zu einem der am weitesten entwickelten BESS-Märkte Europas gemacht hat.
In Deutschland lief es in der ersten Kapazitätsmarkt-Auktion im September komplett anders. Die Bundesnetzagentur hat die Ergebnisse veröffentlicht: Statt der angepeilten 4,5 GW wurden 5,16 GW über 11 Projekte beschafft, und zwar praktisch ausschließlich Bestandsanlagen, vor allem Gaskraftwerke. Fast alle Zuschläge gingen an Einheiten von RWE und LEAG, beide Konzerne betreiben zwar auch selbst große Batteriespeicher, ihr Kerngeschäft bleibt aber fossile Erzeugung aus Gas und Kohle.
Der gewichtete Durchschnittspreis lag bei 155.296 Euro pro MW und Jahr, laut Regulierer deutlich unter dem Höchstpreis von 244.000 Euro. Direkt vergleichbar sind die Zahlen nicht, trotzdem fällt auf: Der deutsche Preis liegt fast achtmal so hoch wie in Belgiens Auktionen. Die EU hatte den deutschen Kapazitätsmarkt erst eine Woche vor der Auktion genehmigt, Klimaschutzorganisationen kritisierten ihn prompt als "pro-Gas". Es ist die erste von zwei Auktionen, die insgesamt 9 GW beschaffen sollen.
Auch für die nächste, kleinere Auktion über 2 GW, die eigentlich zugänglicher für Speicherprojekte werden sollte, zeichnet sich laut Berichten vom Energy Storage Summit Germany 2026 in Berlin ab, dass die Teilnahme für Speicher extrem schwierig bleibt.
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