Am Donnerstagmorgen (22. Oktober) erfuhren rund 400 Mitarbeitende in Wildpoldsried, dass die Sonnen GmbH Insolvenz anmeldet. Das bestätigte das Unternehmen dem Handelsblatt. Erst zwei Monate zuvor hatte der Ölkonzern Shell den Allgäuer Speicherhersteller an den Investor Tiven verkauft.
Das Bestandsgeschäft und der Service für mehr als 150.000 Kunden sollen weiterlaufen. Viele der 16 Tochterunternehmen unter dem Dach der Sonnen Holding werden nach Handelsblatt-Informationen aber abgewickelt oder in die Insolvenz in Eigenverwaltung geschickt, nur ein einziger Produktionsstandort soll erhalten bleiben. Die australische Tochter ist bereits in Eigenverwaltung, Großbritannien und Italien sollen abgewickelt werden, für Ägypten ist die Zukunft offen.
Die Zahlen zeigen, wie tief der Absturz war: Der Umsatz brach von 443 Millionen Euro (2023) auf 198,9 Millionen Euro (2024) ein, der Verlust lag 2024 bei mehr als 188,7 Millionen Euro (Ebitda). Mit dem Sparprogramm "Projekt Sunrise" drückte Sonnen das Minus 2025 auf 52,2 Millionen Euro, die Belegschaft schrumpfte von einst 1318 auf 800 Beschäftigte im Januar 2026. Profitabel sollte das Unternehmen noch in diesem Jahr werden. Daraus wird nichts.
Dabei galt das 2010 gegründete Unternehmen einst als eine Art "Tesla der Solarspeicher", mitgeprägt vom damaligen Co-Geschäftsführer und Ex-Tesla-Manager Philipp Schröder. Shell kaufte Sonnen 2019 für knapp 500 Millionen Euro und steckte bis 2025 noch einmal mehr als eine halbe Milliarde Euro hinein. Im Sommer verkaufte der Konzern an Tiven, das Family-Office von Gert Purkert, Mitgründer der Investmentfirma Aurelius. Für die Sanierung holte Tiven die Restrukturierungsexperten von Aurelius Waterise dazu.
Der langjährige Geschäftsführer Oliver Koch musste eine Woche nach der Transaktion gehen. Seit dem 1. Oktober führt der Berater Friedrich Trautwein die Sonnen GmbH. Aurelius hat ihn schon mehrfach eingesetzt, unter anderem bei einer Papier-Unternehmensgruppe, die wenige Monate später Insolvenz anmeldete, beim britischen Buchgroßhändler Bertram und bei Töchtern der Kosmetikkette The Body Shop. In einer Mail an die Belegschaft vom 5. Oktober hieß es noch, man wolle gemeinsam "einen glaubwürdigen Plan" gegen die Verluste erarbeiten, eine unbefristete Finanzierung sei aber nicht vorgesehen. Gut zwei Wochen später kam der Insolvenzantrag.
Am selben 5. Oktober wurde im Handelsregister die "Sonnen Intelligence GmbH" mit Sitz in Wildpoldsried eingetragen. Über sie soll das US-Geschäft wie bisher weitergeführt werden. Schon Ende August seien Mitarbeitende informiert worden, dass Patente, Markennamen und andere Werte in die USA verlegt werden sollen, berichten Insider dem Handelsblatt. Die Nordamerika-Sparte steuerte Ende 2025 fast 30 Prozent des Umsatzes bei, ihr Umsatz stieg zwischen 2023 und 2025 um fast 270 Prozent, während er bei allen anderen Töchtern einbrach. Ob das US-Geschäft profitabel ist, weist Sonnen nicht aus. Kritik trifft auch den Ex-Eigentümer: "Shell hat sich aus der Verantwortung gezogen", sagt ein Insider. Shell, Tiven und Aurelius wollten sich auf Anfrage nicht äußern.
Sonnen ist nicht der einzige deutsche Speicherhersteller in Not. RCT Power aus Konstanz stellte im September einen Insolvenzantrag, über die VARTA Storage GmbH wurde Anfang Oktober das Insolvenzverfahren eröffnet, und EnBW kündigte im August an, bei seiner Speichertochter Senec das Neugeschäft einzustellen. Der Markt selbst wächst, aber andere gewinnen: Laut P3 und RWTH Aachen lag BYD 2025 mit 16,5 Prozent Marktanteil bei den Neuinstallationen vorn, Sonnen kam nur noch auf 3,3 Prozent.
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