8,2 Gigawattstunden. So viel neue Batteriespeicherkapazität ist in Deutschland zwischen Januar und September 2026 ans Netz gegangen, verteilt auf mehr als eine halbe Million neue Anlagen. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum ist das ein Plus von 91 Prozent. Die Zahlen stammen aus einer Auswertung des Marktstammdatenregisters der Bundesnetzagentur durch den Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar), Stand 12. Oktober 2026.
Den Großteil des Wachstums tragen Großspeicher. Ihr Zubau hat sich auf rund 3,8 GWh mehr als vervierfacht, ein Plus von etwa 350 Prozent. Damit entfällt knapp die Hälfte der gesamten neuen Kapazität auf dieses Segment. Aber auch die kleineren Klassen legen zu: Heimspeicher wuchsen um 20 Prozent auf 3,2 GWh, Gewerbespeicher um 67 Prozent auf 0,7 GWh, Kleinstspeicher um 33 Prozent auf 0,5 GWh. Für das Gesamtjahr rechnet der BSW-Solar mit einem Zubau von deutlich über zehn GWh, Nachmeldungen könnten die Werte noch weiter nach oben korrigieren.
Warum das mehr ist als eine Wachstumsstatistik, zeigt eine Berechnung des Fraunhofer-Instituts für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik (IEE): Zusätzliche Speicherkapazitäten von 80 GWh hätten allein im vergangenen Jahr Verbraucher und Bundeshaushalt um fast vier Milliarden Euro entlasten können. Speicher puffern überschüssigen Solar- und Windstrom und geben ihn bei Bedarf wieder ab, statt dass Anlagen abgeregelt werden oder teure Reservekraftwerke einspringen müssen. Das Tempo reicht Fraunhofer zufolge trotzdem nicht: Bis 2030 müsste jährlich die vier- bis fünffache Menge an zusätzlicher Flexibilität hinzukommen, um den geplanten Ausbau der Erneuerbaren kostengünstig ins Stromsystem zu integrieren.
Der BSW-Solar hat deshalb ein Positionspapier mit 15 Reformvorschlägen vorgelegt. Im Zentrum stehen drei Punkte: ein verbindlicher Anspruch auf faire, flexible Netzanschlussvereinbarungen, damit Speicher leichter zusammen mit Solar- und Windanlagen sowie an Verbrauchsstandorten laufen können; eine Pflicht für Verteilnetzbetreiber, netzdienliche Speicher an Umspannwerken gezielt auszuschreiben; und eine Reform des Redispatch, bei der die Steuerung am Netzverknüpfungspunkt statt an der einzelnen Erzeugungsanlage ansetzt. Letzteres würde bedeuten: Überschüssiger Solarstrom wird bei Engpässen gespeichert, statt dass Anlagen einfach abgeschaltet werden.
„Batteriespeicher entwickeln sich zu einem Wachstumstreiber und Effizienz-Hebel der Energiewende“, sagt Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des BSW-Solar. Der Verband, der nach eigenen Angaben über 1.000 Solar- und Speicherunternehmen vertritt, appelliert an Bundestag und Bundesregierung, die Vorschläge in die anstehenden Reformen zum Netzpaket und zum EEG einzubauen. Eine weitere Fraunhofer-IEE-Studie liefert dafür Argumente: Batteriespeicher an Umspannwerken könnten bislang ungenutzte Netzreserven erschließen und unter den untersuchten Bedingungen sogar eine Verdopplung der installierten Photovoltaikleistung an bestehenden Verteilnetzen ermöglichen.
Körnig kritisiert, dass es in der Bundesregierung bislang an klarer Zuständigkeit, verbindlichen Ausbauzielen und einer übergreifenden Speicherstrategie fehle. „Deutschland kann es sich nicht leisten, immer mehr günstigen Solar- und Windstrom ungenutzt zu lassen, während gleichzeitig über hohe Stromkosten diskutiert wird“, sagt er. „Batteriespeicher müssen Chefsache werden.“
Quellen
5 Quellen von 5 Herausgebern
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solarwirtschaft.de1 Quelle
contextcrew.de1 Quelle
dfpa.info1 Quelle
elektro.net1 Quelle