CATL ist der weltweit größte Hersteller von Lithium-Ionen-Batterien, und selbst die eigenen Ausbaupläne reichen dem Konzern nicht mehr. In Deutschland läuft bereits ein Werk mit 14 Gigawattstunden Kapazität, in Ungarn sind 100 Gigawattstunden geplant, in Spanien baut CATL gemeinsam mit Stellantis an weiteren 50 Gigawattstunden. Macht zusammen 164 Gigawattstunden. CATLs Europa-Verantwortlicher Matt Shen sagte dazu im Videointerview mit dem Branchenmedium fDi Intelligence knapp: „Das ist nicht genug.” Man prüfe bereits mehrere weitere Standorte.
Bei der Standortwahl zählt laut Shen vor allem die Nähe zum Kunden, also zu den großen Autoherstellern, die in Europa sitzen. Dazu kommen Energieverfügbarkeit, Fachkräfte und Logistik. Ein weiterer Faktor ist die Regulierung: Wer sich in der EU ansiedelt, kann EU-Vorgaben leichter erfüllen. Weil Batterieproduktion hohe Investitionen erfordert, fordert Shen von EU und Mitgliedstaaten eine konsistente, langfristig stabile Strategie, damit CATL zu einem „wirklich lokalisierten Unternehmen” werden kann.
Das größte Hindernis beim Ausbau ist laut Shen nicht das Kapital, sondern der Mangel an Fachkräften. Die europäische Batterieindustrie starte quasi bei null. Gebraucht wird gebündeltes Wissen aus Chemie, Elektrotechnik, Mechanik und Qualitätssicherung, und genau diese Kombination fehle vielen Arbeitskräften noch. CATL will deshalb stärker mit Universitäten und Berufsbildungszentren zusammenarbeiten und vor Ort schulen, je nach Prozess über zwei bis drei Jahre. Deutschland dient als Positivbeispiel: Nach drei Jahren Betrieb kommen dort bereits über 90 Prozent der Arbeiter aus Europa, weniger als 10 Prozent aus China. Ungarn und Spanien sollen folgen.
Dass CATL überhaupt so offensiv expandiert, hat einen handfesten Hintergrund. Zahlen von Benchmark Mineral Intelligence zeigen: Von Januar bis September 2026 wurden in Europa 3,9 Millionen Elektroautos verkauft, 30 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Elektrifizierungsquote kletterte laut Shen von 29 Prozent im Vorjahr auf 35 Prozent in nur neun Monaten. Er beschreibt die Entwicklung in drei Wellen: zuerst der aktuelle Boom bei E-Pkw, dann wachsender Bedarf an Batteriespeichern, weil Strombedarf durch E-Autos und KI-Rechenzentren steigt, und schließlich eine Elektrifizierung bei Nutzfahrzeugen. Für Shen ist das „eine sehr gute Chance für alle”.
Ob Europa in diesem Boom aufholen kann, hängt laut Shen vor allem von Zusammenarbeit ab. Offen bleibt dabei, wie genau diese Zusammenarbeit aussehen soll, wenn CATL als chinesischer Konzern seine Werke mit Unterstützung der chinesischen Regierung aufbaut. Ob das für Europa am Ende Technologietransfer und Jobs bedeutet oder vor allem noch mehr Konkurrenzdruck für heimische Zellhersteller, lässt sich aus dem Interview nicht beantworten.
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