400 kW Ladeleistung aus einem Anschluss, der eigentlich kaum mehr als eine Werkstatt versorgen könnte: Das verspricht Allye mit seinem neuen Mobile Energy Vault (MEV). Das System zieht Strom aus dem vorhandenen Netzanschluss eines Depots und parkt ihn zunächst in ausgemusterten Fahrzeugbatterien. Erst beim Laden wird die Energie mit deutlich höherer Leistung wieder abgegeben. Zum Marktstart gibt es zwei Varianten: Der MEV200 bringt 155 kWh Speicherkapazität mit, der MEV300 kommt auf 232 kWh. Beide können laut Allye zwei Fahrzeuge gleichzeitig laden, mit bis zu 400 kW DC.

Technisch basiert der MEV auf der 800-Volt-Architektur des mobilen Speichers Max300, unterstützt aber laut Hersteller sowohl 400- als auch 800-Volt-Fahrzeuge. Die sogenannte PackFlex-Technologie soll Batteriepakete unterschiedlicher Größe, Altersstufe und Zellchemie in einem System zusammenarbeiten lassen. CTO Robert Carter beschreibt das als die eigentliche Herausforderung: nicht die Batterie an sich, sondern Pakete unterschiedlichen Alters so zu kombinieren, dass am Ende 400 kW Gleichstrom herauskommen. Weil Allye komplette Batteriepakete aus ausgemusterten E-Autos statt neu produzierter Zellen nutzt, sollen pro Einheit nach Herstellerrechnung 15 bis 24 Tonnen CO2-Äquivalente eingespart werden, verglichen mit einem System aus neuen Zellen.

Dass das Prinzip schon im Alltag funktioniert, zeigt ein Projekt bei J&M Murdoch in Glasgow. Für den Betriebshof des Entsorgungsunternehmens war ein Netzausbau für rund 300.000 Pfund angeboten worden. Allye installierte stattdessen gemeinsam mit dem Ladeanbieter Chargepoly einen Max300 an einem bestehenden 32-A-Anschluss mit nur 22 kW Leistung. Der Speicher versorgt seither einen separaten DC-Schnelllader für zwei E-Fahrzeuge und liefert nach Unternehmensangaben rund 200 kWh pro Tag. Das Beispiel zeigt aber auch die Grenze des Konzepts: Ein Speicher ermöglicht hohe Spitzenleistung, ersetzt aber nicht die benötigte Energiemenge. Wie viele Fahrzeuge sich täglich laden lassen, hängt weiter davon ab, wie viel Strom der vorhandene Anschluss über Stunden nachliefern kann.

Allye zielt mit dem Argument vor allem auf lange Wartezeiten für Netzanschlüsse. In Großbritannien dauert ein neuer Depotanschluss laut Unternehmen 18 bis 36 Monate. Der MEV dagegen soll über Industriesteckdosen oder einen festen Anschluss innerhalb weniger Stunden einsatzbereit sein, inklusive der Option, ihn bei einem Standortwechsel abzubauen und woanders wieder aufzustellen. Für die Sicherheit verbaut Allye unter anderem Schnittüberwachung und Schnellverschlüsse an den Ladekabeln, Kameras an den Ladeplätzen sowie Pyrosicherungen, Gasdetektion und Brandschutzbarrieren zwischen den Batteriepaketen im Speicher selbst.

Preislich startet der MEV bei 70.000 britischen Pfund, umgerechnet rund 84.000 Euro. Wer nicht kaufen will, kann den MEV200 auch als „EV Charging as a Service“ ab 1.900 Pfund (etwa 2.270 Euro) im Monat mieten. Nach einer Modellrechnung von Allye soll sich der Mehrpreis gegenüber einem herkömmlichen 200-kW-Lader binnen zwei bis drei Jahren amortisieren, über zehn Jahre nennt das Unternehmen Einsparungen von umgerechnet 60.000 bis 130.000 Euro, mögliche Kosten eines sonst nötigen Netzausbaus noch nicht eingerechnet. Ausgeliefert werden soll ab dem zweiten Quartal 2027.

Der MEV bleibt dabei stationär am Depot, während der verwandte Max300 mobil bleibt und etwa Dieselgeneratoren ersetzen oder zusätzliche Ladepunkte versorgen kann. Dass batteriegepuffertes Laden kein Nischenthema mehr ist, zeigt eine Zahl von BloombergNEF: In China, Frankreich, den USA und Großbritannien hat die Kapazität von Batteriespeichern, die mit Ladeinfrastruktur kombiniert sind, bereits fast 1 GWh erreicht, in China allein soll über 10 GWh mehr hinzukommen.

Quellen

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