Elon Musk hat es in einem einzigen Satz auf X verkündet: Tesla lässt die Cybertruck-Produktion in der Gigafactory Texas etwa Mitte 2027 auslaufen, um Platz für mehr Cybercab-Fertigung zu schaffen. Details zu Lagerbeständen, Verkauf oder Service für Bestandskunden nannte er nicht.

Die Begründung mit dem Platzbedarf hält einer näheren Prüfung kaum stand. Laut Electrek verfügt Giga Texas über mehr als 10 Millionen Quadratfuß Fabrikfläche, die Cybertruck-Linie läuft schon jetzt nur bei etwa einem Viertel ihrer installierten Kapazität von über 125.000 Einheiten jährlich. Der Cybercab wiederum hatte in Texas bis Ende Oktober erst 463 Fahrzeuge zugelassen und läuft auf einer eigenen "Unboxed"-Fertigungslinie. Von einem akuten Platzproblem kann also keine Rede sein.

Die eigentliche Zahl, die zählt: Tesla hat die Cybertruck-Linie für 250.000 Einheiten pro Jahr gebaut, verkauft aber nur etwa 30.000. Das sind rund 12 Prozent des ursprünglichen Plans. Tesla weist Cybertruck-Zahlen nicht separat aus, sondern versteckt sie in der Sammelkategorie "Other Models" zusammen mit Model S, Model X und Semi. Diese Kategorie kam im dritten Quartal 2026 auf 8.295 Fahrzeuge, ein Rückgang von 48 Prozent zum Vorjahr und der niedrigste Wert seit dem zweiten Quartal 2021. Kelley Blue Book schätzt den US-Absatz 2025 auf 20.237 Fahrzeuge, ein Minus von rund der Hälfte zum Vorjahr, mit weiteren minus 28 Prozent bis Ende September 2026. Cox Automotive kommt für das erste und zweite Quartal 2026 auf nur noch 3.519 beziehungsweise 3.744 verkaufte Einheiten, verglichen mit 14.416 im dritten Quartal 2024.

Dass selbst diese mageren Zahlen teils geschönt sind, zeigen Daten von S&P Global Mobility: SpaceX kaufte im vierten Quartal 2025 allein 1.279 Cybertrucks, Musks Unternehmen zusammen 1.339, fast ein Fünftel aller US-Zulassungen in diesem Quartal. Ohne dieses Selbstgeschäft wäre der Cybertruck laut Electrek wohl längst tot.

Tesla versuchte mehrfach, die Nachfrage anzukurbeln. 2025 brachte der Hersteller eine günstigere Allradversion mit Basispreis ab 59.990 Dollar, deutlich unter den ursprünglichen 79.990 Dollar. Eine einmotorige RWD-Variante ab 70.000 Dollar wurde im September 2025 mangels Nachfrage wieder gestrichen. Im August 2026 erhöhte Tesla die Preise dann sogar wieder um 5.000 Dollar, die Allradversion startet seither bei 74.990 Dollar. An die von Musk einst versprochenen 40.000 Dollar Basispreis kam das Fahrzeug nie heran.

Der Cybertruck war auch außerhalb der USA limitiert: Verkauf in Europa oder den meisten Rechtslenker-Märkten war nie möglich, Australien und Neuseeland strich Tesla erst vor zwei Wochen. Zwei Schweizer Unternehmen, Werk.lab und Revoltaris, arbeiteten zuletzt an einer europatauglichen Variante für die Schweizer Zulassung, deren Zukunft nach dem Produktionsstopp offen ist.

Das Ende reiht sich ein in eine Serie von Werksumbauten bei Tesla: Auch die Produktion von Model S und Model X endete 2026, um in Fremont Platz für die Optimus-Fertigung zu schaffen. Electrek vermutet, dass Tesla beim Cybertruck-Experiment mehrere Milliarden Dollar verloren hat, zwischen Entwicklung, Lieferkettenaufbau für 250.000 Einheiten und einer eigenen Fertigungslinie für 125.000 Einheiten dürfte das Projekt nie profitabel gewesen sein.

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