Übersicht

RWTH-Professor Kampker: E-Mobilität ist Erfolg, Deutschlands Industrie hat trotzdem ein Problem

Achim Kampker, Gründer des PEM-Lehrstuhls an der RWTH Aachen, trennt klar: Die Technologie hat gewonnen, aber der Industriestandort Deutschland verspielt seinen Vorsprung.

20.000Fahrzeuge
StreetScooter gebaut

Für Achim Kampker ist eine Debatte beendet: "Weltweit hat die E-Mobilität ihren Siegeszug angetreten." Die Frage sei nicht mehr ob, sondern welchen Marktanteil der Elektroantrieb langfristig erreicht. Trotzdem werde die Entwicklung in Deutschland kleingemacht, weil der Erfolg lange nach einer Alles-oder-nichts-Logik bewertet worden sei.

Kampker, der seit Januar 2014 den von ihm gegründeten Lehrstuhl Production Engineering of E-Mobility Components (PEM) der RWTH Aachen leitet, zieht eine scharfe Trennlinie: Die Krise deutscher Hersteller und Zulieferer lasse sich nicht dem Wechsel zum Elektroauto zuschreiben. Hohe Arbeitskosten, überbordende Bürokratie, mangelnde Produktivitätsfortschritte, Überkapazitäten und schwerfällige Unternehmensstrukturen seien mindestens ebenso entscheidend. Sein Urteil: "Wir haben einfach, was den Industriestandort angeht, jede Menge Probleme."

Wie teuer das Verschlafen von Skalierung werden kann, hat Kampker mit StreetScooter selbst erlebt. Über 20.000 elektrische Zustellfahrzeuge wurden gebaut, die Elektrifizierung der Logistik damit früh praktisch bewiesen. Den Vorsprung habe Deutschland dennoch aus der Hand gegeben. Das Muster sei symptomatisch: Gute Ideen und technisches Know-how seien vorhanden, doch häufig fehlten Kapital, Ausdauer und der Mut, daraus große industrielle Strukturen zu entwickeln. Gerade bei Batteriezellen brauche es einen langen Atem, statt nach wenigen Jahren hohe Gewinne zu erwarten.

In seinem neuen Buch "Zukunftsfrust — Zukunftsmut" (ISBN 9783690281102) fordert Kampker eine ehrliche Bestandsaufnahme, ohne Schönreden, aber auch ohne die in Deutschland verbreitete Lust am Niedergang. Bürokratie sei dabei kein rein staatliches Problem: Auch viele Unternehmen hätten interne Prozesse geschaffen, die Entscheidungen verlangsamten und Verantwortung verwischten. Der Staat solle neue Technologien nicht vom ersten Tag an mit sämtlichen Anforderungen etablierter Märkte belasten, sondern ihnen Raum zum Wachsen geben.

Sein Appell geht über das Elektroauto hinaus. Kampker spricht über Kreislaufwirtschaft als marktwirtschaftliches Geschäftsmodell, neue Partnerschaften mit Afrika und Zukunftsfelder wie humanoide Robotik oder Biotechnologie. Seine zentrale Botschaft: "Wir brauchen keine Verbotskultur als Strategie. Wir brauchen eine Vision!"

Quellen

  • 01
    electrivewww.electrive.net/2026/08/02/warum-sieht-deutschland-sein…
  • 02
    de.headtopics.comde.headtopics.com/news/warum-sieht-deutschland-seinen-e-a…

Mehr zum Thema

Das könnte dich auch interessieren

Der Electric-Shift-Podcast

Hör die Geschichten hinter den News

Jede Woche ordnen wir ein, was die Branche wirklich bewegt. Auf Spotify, Apple Podcasts und YouTube.