Electreon bringt mit Lite DOT ein neues Produkt auf den Markt: kabelloses Laden für den eigenen Stellplatz, mit bis zu 11 kW Leistung, vorgestellt auf der IAA Transportation in Hannover. Das israelische Unternehmen ist bislang vor allem für Ladesysteme bekannt, die in die Fahrbahn eingebaut werden und Fahrzeuge während der Fahrt laden. Lite DOT geht einen anderen Weg: Eine Ladeplatte wird oberirdisch auf dem Parkplatz montiert, dazu kommt ein Wandmodul an Garage oder Mast. Größere Aushubarbeiten sind laut Electreon nicht nötig.
Das Prinzip ist simpel: Fährt ein kompatibles Fahrzeug über die Platte, erkennt das System es und startet den Ladevorgang automatisch. Kein Kabel, kein Stecker. Genau darin liegt der Praxiswert für Flotten, deren Fahrzeuge ohnehin regelmäßig auf festen Stellplätzen stehen, etwa Transporter, Firmenwagen oder Carsharing-Autos. Auch für autonome Fahrzeuge nennt Electreon die Technik als möglichen Anwendungsfall, schließlich kann ein Robotaxi ohne Fahrer schlecht selbst ein Kabel einstecken.
Ganz ohne Zusatztechnik geht es trotzdem nicht: Das Fahrzeug braucht einen fahrzeugspezifischen Empfänger, den Electreon selbst oder Partner aus der Autoindustrie liefern sollen. Welche Hersteller mitziehen, ist noch offen. Das System läuft laut Electreon bei Temperaturen von minus 30 bis plus 50 Grad, auch bei Regen und Schnee, gesteuert über die App „Electreon Flow Driver“.
Bekannt ist Electreon bisher vor allem für leistungsstärkere dynamische Systeme. Auf einer Teststrecke der französischen Autobahn A10 wird die Technik mit Lkw, Transporter, Pkw und Reisebus erprobt, mit im Schnitt 200 kW und Spitzenwerten über 300 kW während der Fahrt. Auch in Deutschland läuft ein Test: auf einem Abschnitt der A6 in der Oberpfalz im Projekt E|MPOWER. Lite DOT setzt dagegen bewusst auf niedrigere Leistung und dafür auf automatisierte Nutzung ganz normaler Standzeiten.
Zur Effizienz von Lite DOT nennt Electreon noch keine Zahl. Als Referenz dient der eigene Busdepot in Rosh HaAyin in Israel, den das Unternehmen als weltweit ersten 24/7-Wireless-Ladedepot bezeichnet: 89,3 Prozent Wirkungsgrad, 99 Prozent Verfügbarkeit und rund 60 zusätzliche Kilometer Reichweite pro Bus und Tag bei 23 Bussen im Einsatz. Zum Vergleich: Porsche hat beim elektrischen Cayenne bereits eine werkseitig integrierte 11-kW-Ladeplatte im Angebot, mit rund 90 Prozent Effizienz, aber 50 Kilogramm Gewicht und professioneller Installationspflicht. Tesla demonstrierte beim Cybercab-Reveal 25 kW mit angeblich über 90 Prozent Effizienz, verbaute in der Serienversion aber einen versteckten NACS-Anschluss, und die zweite Robotaxi-Ladestation in Austin wurde mit 24 Steckplätzen und ohne Wireless-Pads eingereicht. Genesis bietet in Südkorea eine 11-kW-Wireless-Option beim GV60 an.
Der Standard SAE J2954 definiert Leistungsklassen von 3,7 bis 22 kW sowie Effizienz- und Sicherheitsanforderungen für kabelloses Laden bei Pkw, damit könnte jedes ausgerüstete Fahrzeug künftig an jeder kompatiblen Platte laden. Mit der Übernahme des US-Spezialisten InductEV im März kommt Electreon nach eigenen Angaben auf rund 400 Patente im Bereich kabelloses Laden. Für den europäischen Markt bleibt die Dynamik ohnehin hoch: Die BEV-Neuzulassungen in der EU wuchsen im ersten Halbjahr 2026 laut ACEA auf einen Marktanteil von 20,7 Prozent, gegenüber 15,6 Prozent ein Jahr zuvor.
Quellen
- 01electrivewww.electrive.net/2026/09/15/electreon-bringt-kabellose-1…
- 02electrive.comwww.electrive.com/2026/09/15/electreon-introduces-wireles…
- 03arenaev.comwww.arenaev.com/newscomm-6233.php
- 04sparneuwagen.dewww.sparneuwagen.de/news/ladekabel-bald-ueberfluessig-neues…
- 05eletric-vehicles.comeletric-vehicles.com/general/electreon-debuts-11-kw-wireless…