Amazon hat die ersten 27 batterieelektrischen Mercedes-Benz eActros 600 in Deutschland übernommen. Bis Ende 2026 sollen mehr als 50 dieser Lkw im deutschen Logistiknetzwerk des Konzerns unterwegs sein.
Die Fahrzeuge stammen aus einem Anfang 2025 geschlossenen Großauftrag über mehr als 200 eActros 600, Amazons bislang größte Bestellung von Elektro-Lkw. Rund 140 davon gehen nach Großbritannien, wo die Auslieferung bereits Ende 2025 begann. Gut 50 sind für Deutschland vorgesehen. Amazon setzt die Trucks auf der sogenannten mittleren Meile ein, also für Transporte zwischen Logistikzentren und städtischen Gebieten. Wie sich die Fahrzeuge auf einzelne Standorte und Strecken verteilen, teilen die Unternehmen nicht mit.
Vorausgegangen war ein Praxistest mit einem seriennahen Prototyp in einem deutschen Amazon-Logistikzentrum. Elektrische Lkw sind für den Konzern in Deutschland kein Neuland: Schon 2022 hatte Amazon 20 Volvo FH Electric für sein deutsches Transportnetz bestellt.
Der eActros 600 läuft seit Ende 2024 im Mercedes-Benz-Werk Wörth am Rhein vom Band. Drei LFP-Batteriepakete bringen zusammen 621 kWh installierte Kapazität, Mercedes-Benz Trucks gibt eine Reichweite von rund 500 Kilometern ohne Zwischenladen an, unter günstigen Bedingungen mit 40 Tonnen Gesamtzuggewicht sollen laut Hersteller sogar bis zu 560 Kilometer möglich sein. Geladen wird per CCS mit bis zu 400 kW, von 20 auf 80 Prozent soll das in etwas mehr als einer Stunde gehen. Mit Standardauflieger erreicht der Lkw in der EU eine Nutzlast von rund 22 Tonnen.
Damit die Flotte überhaupt fahren kann, baut Amazon parallel Ladeinfrastruktur auf: mehrere Hundert Lkw-Ladepunkte an europäischen Standorten, wie viele davon bereits in Deutschland stehen, bleibt offen. Insgesamt will der Konzern über eine Milliarde Euro in die Elektrifizierung seines europäischen Transportnetzwerks stecken, mehr als 400 Millionen Euro davon in Deutschland. Diese Zahlen sind nicht neu, sie stammen aus einem Fünfjahresplan von 2022. Damals hatte Amazon auch eine Ausweitung der europäischen E-Lkw-Flotte von 38 auf mehr als 1.500 Fahrzeuge angekündigt, davon über 500 in Deutschland, allerdings ohne konkreten Zeithorizont.
Politisch wird die Übergabe als Signal verstanden. Achim Schwickert, Innenminister von Rheinland-Pfalz, sieht in der Serienfertigung vor Ort einen Beleg dafür, dass batterieelektrische Lkw "auch im schweren Güterverkehr keine Zukunftsmusik mehr" seien. Christian Hirte, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr, betont, die deutsche Industrie habe inzwischen "ein starkes Angebot an leistungsfähigen E-Lkw, die in der Praxis überzeugen, auch ohne staatliche Unterstützung".
Der Kontext zeigt, wie klein die Basis noch ist: Nach Zahlen des Herstellerverbands ACEA lag der Anteil elektrisch aufladbarer Lkw an den EU-Neuzulassungen im ersten Halbjahr 2026 bei 4,8 Prozent, ein Jahr zuvor bei 3,6 Prozent. Die Neuzulassungen stiegen um 47,7 Prozent, in Deutschland sogar um 88,5 Prozent. Deutschland, die Niederlande und Frankreich stellen zusammen rund drei Viertel der EU-Neuzulassungen. Trotzdem dominiert der Diesel-Lkw mit 92,1 Prozent Marktanteil weiterhin klar.
Quellen
- 01electrivewww.electrive.net/2026/09/09/amazon-eactros-600-in-deutsc…
- 02ecomento.deecomento.de/2026/09/09/amazon-uebernimmt-erste-merc…
- 03ms-aktuell.dems-aktuell.de/welt/amazon-elektro-lkw-09-09-2026
- 04kfz-anzeiger.comkfz-anzeiger.com/kfz-anzeiger/eactros-600-amazon-erste-2…
- 05electrive.comwww.electrive.com/2026/09/09/amazon-receives-delivery-of-…