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Kiel eröffnet Lkw-Ladepark mit 400 kW direkt am Fähranleger

Engie Vianeo und der Port of Kiel haben acht Ladepunkte für E-Lkw in Betrieb genommen, die erste deutsche Anlage des französischen Betreibers und Startpunkt für ein bundesweites Netz.

400kW
maximale Ladeleistung pro Punkt

Ein Lkw kommt von der Autobahn, lädt am Kieler Ostuferhafen seine Batterie und rollt direkt auf die Fähre Richtung Baltikum. Genau das ist jetzt möglich: Am 1. September wurde dort offiziell ein Ladepark eröffnet, der bereits seit Anfang August läuft. Vier Ladestationen vom Typ Alpitronic HYC400 stellen acht öffentlich zugängliche Ladepunkte für schwere Nutzfahrzeuge bereit, geladen wird nach CCS-Standard mit bis zu 400 kW, ausschließlich mit Strom aus erneuerbaren Energien.

Der Standort ist kein Zufall. Rund 180.000 Lkw und Trailer bewegen sich laut Hafenangaben jährlich durch den Port of Kiel. Vom Ostuferhafen fahren DFDS-Fähren nach Klaipeda in Litauen und RoRo-Schiffe von SCA zu mehreren schwedischen Häfen. Der Ladepark liegt damit direkt an einem internationalen Warenstrom zwischen Deutschland, dem Baltikum und Skandinavien. Sattelzüge können laden, ohne den Trailer abzukoppeln, die Anlage ist rund um die Uhr zugänglich.

Schleswig-Holsteins Energiewende- und Klimaschutzminister Tobias Goldschmidt bringt den eigentlichen Trick auf den Punkt: Wartezeiten vor der Fährüberfahrt lassen sich künftig sinnvoll mit dem Ladevorgang verbinden. Ladezeit muss im Schwerlastverkehr also nicht automatisch zusätzliche Standzeit bedeuten, sie kann mit Pausen oder Abfertigung zusammenfallen, die ohnehin anfallen. Genau darin liegt der Unterschied zu vielen anderen Lkw-Ladeprojekten, die zusätzliche Stopps erzwingen.

Für Engie Vianeo ist Kiel der erste deutsche Standort überhaupt. Das Unternehmen, eine Marke des Engie-Konzerns, ist seit Juli 2025 auf dem deutschen Markt aktiv und betreibt europaweit bereits mehr als 11.000 Ladepunkte, davon 900 an französischen Autobahnen und rund 7.000 in Belgien. In Deutschland setzt der Anbieter zunächst gezielt auf Lkw-Ladeparks, ein Segment, in dem bislang nur wenige Betreiber wie Milence aktiv sind. Engie Vianeo hat außerdem den Zuschlag für 26 Standorte im geplanten Lkw-Schnellladenetz des Bundes und der Autobahn GmbH erhalten und baut zusätzlich Ladeparks an Autohöfen der Marken Euro-Rastpark und 24-Autohöfe. Bis 2030 will das Unternehmen europaweit 25.000 Ladepunkte errichten, davon 1.000 speziell für schwere Nutzfahrzeuge.

In Kiel selbst geht es weiter: Am Norwegenkai, von wo die Color-Line-Fähren nach Oslo ablegen, sind vier weitere Ladepunkte mit ebenfalls bis zu 400 kW geplant. Nach Fertigstellung stünden damit insgesamt zwölf Ladepunkte an zwei Kieler Fährterminals zur Verfügung. Dr. Dirk Claus, Geschäftsführer von Seehafen Kiel, formuliert den Anspruch entsprechend groß: Kiel solle zu einem „zentralen Bestandteil des Lkw-Ladekorridors in Europa“ werden.

Ob aus dem Kieler Modell mehr wird, hängt an zwei Stellschrauben. Erstens: Wie schnell wächst die Flotte elektrischer Schwerlast-Lkw in Deutschland überhaupt? Zweitens: Wie gut lässt sich Ladebedarf mit den Abläufen von Häfen, Speditionen und gesetzlich vorgeschriebenen Ruhezeiten verzahnen? Kiel zeigt zumindest ein Muster, das sich auf andere Häfen übertragen ließe, wenn Ladeinfrastruktur konsequent dort entsteht, wo Lkw ohnehin stehen.

Quellen

  • 01
    electrivewww.electrive.net/2026/09/10/laden-vor-der-faehre-kiel-wi…
  • 02
    electrive.netwww.electrive.net/2026/09/02/lkw-ladepark-von-engie-viane…
  • 03
    transport-online.detransport-online.de/en/news/hafen-kiel-trucks-receive-eight…
  • 04
    portofkiel.comwww.portofkiel.com/news-reader-en/toward-greater-sustainab…
  • 05
    portofkiel.comwww.portofkiel.com/news-reader-en/more-sustainability-in-h…

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