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München startet dritten Anlauf: 1.200 SWM-Ladesäulen müssen neu ausgeschrieben werden

Nach zwei gescheiterten Vergabeverfahren seit 2020 bereitet München bis November eine Konzessionsausschreibung vor, die erstmals auch den bestehenden Bestand der Stadtwerke umfasst.

1.200Ladepunkte
SWM-Bestand zur Neuausschreibung

Der Feriensenat des Münchner Stadtrats hat das Mobilitätsreferat beauftragt, eine Konzessionsvergabe für den Aufbau und Betrieb von Ladesäulen im öffentlichen Straßenraum vorzubereiten. Es ist der dritte Anlauf seit 2020, und diesmal müssen auch die rund 1.200 bestehenden Ladepunkte der Stadtwerke München (SWM) in das Verfahren einbezogen werden.

Die Vorgeschichte ist lang. Die erste Ausschreibung lief seit 2020, wurde aber im Herbst 2023 von der Vergabekammer Südbayern kassiert: Die Stadt hatte Ladestationen als Dienstleistung statt als Konzession ausgeschrieben. Anfang 2025 startete ein neues Verfahren, doch auch das überlebte keine zwölf Monate. Im Februar 2026 attestierte das Verwaltungsgericht München der Stadt erneut Mängel, nachdem der Ladeanbieter Qwello geklagt hatte. Der Kern des Problems: Das Verfahren hatte die bestehende SWM-Infrastruktur ausgenommen, was das Gericht als nicht wettbewerbsneutral und diskriminierend wertete.

Die Konsequenz ist eindeutig. Die Sondernutzungsgenehmigungen der SWM laufen bis Juni 2027 und sollen nicht verlängert werden. Der gesamte Bestand muss neu vergeben werden. Sabine Effner, stellvertretende Leiterin des Mobilitätsreferats, erklärt den historischen Hintergrund gegenüber der "tz": "Vor zehn Jahren gab es noch keinen Wettbewerb am Markt." Deshalb seien die Stadtwerke damals mit dem Aufbau betraut worden.

Für die neue Ausschreibung rechnet Effner mit mindestens 750 zusätzlichen Standorten, die genaue Zahl soll eine Bedarfsanalyse ergeben. Das Interesse der Branche dürfte groß sein: "Wir rechnen mit einer mittleren zweistelligen Bewerberzahl für Konzessionen", sagt Effner gegenüber der "Abendzeitung". Einen verbindlichen Zeitplan für die Vergabe gibt es noch nicht.

Dass München überhaupt so weit hinter anderen Großstädten zurückliegt, ist kein Geheimnis. Qwello-Chef Henrik Thiele hatte bereits im Februar gegenüber electrive festgestellt, München habe "mit Abstand das schlechteste Verhältnis zwischen öffentlichen Ladepunkten und der Anzahl an Elektroautos". Wirelane-Gründer Constantin Schwaab hatte im März dieselbe Diagnose gestellt und sie mit einer Protestaktion auf dem Marienplatz unterstrichen: Er betrieb eine Ladesäule per Dieselgenerator, um die Absurdität der Lage zu illustrieren.

Qwello selbst hatte 2022 Sondernutzungsanträge für mehr als 1.600 Ladepunkte an rund 470 Standorten gestellt, die die Stadt mit Verweis auf das laufende Vergabeverfahren ablehnte. Das Verwaltungsgericht verpflichtete die Stadt im Februar, erneut über den Antrag zu entscheiden. Wie diese Entscheidung ausfällt, ist offen.

Das Problem ist kein Münchner Einzelfall. Die Nationale Leitstelle Ladeinfrastruktur hat vor wenigen Tagen eine Handreichung zum Verhältnis von Sondernutzungserlaubnis und Vergaberecht veröffentlicht, die Kommunen bundesweit bei rechtssicheren Vergaben unterstützen soll.

Quellen

  • 01
    electrivewww.electrive.net/2026/08/24/stadt-muenchen-bereitet-neua…
  • 02
    electrive.netwww.electrive.net/2026/02/11/ladeinfrastruktur-ausbau-sta…
  • 03
    electrive.netwww.electrive.net/2026/03/06/wirelane-gruender-kritisiert…

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