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VW baut in Emden und Zwickau wieder mehr E-Autos, nur 19 Tage nach Sparbeschluss

Wegen steigender Nachfrage streicht Volkswagen Sonderschichten in Wolfsburg und schiebt sie stattdessen zu ID.7 und ID.3 Neo, mitten im laufenden Sparprogramm für die beiden reinen E-Werke.

100.000
Vorbestellungen E-Kleinwagen-Familie

Volkswagen dreht bei der Werksplanung 2026 um, und zwar zugunsten der Elektroautos. Laut einem Bericht der Automobilwoche, der sich auf Vertriebsvorstand Martin Sander stützt, fallen im Verbrenner-Stammwerk Wolfsburg geplante Sonderschichten weg. Statt der ursprünglich geplanten mehr als 600.000 Fahrzeuge dürfte das Werk nur noch das Vorjahresniveau von rund 580.000 erreichen.

Die freiwerdende Kapazität wandert dorthin, wo die Aufträge fehlen: nach Emden und Zwickau. In Emden sind jetzt mindestens zwei Sonderschichten für den ID.7 eingeplant. Zwickau profitiert von der besseren Auftragslage beim ID.3 Neo. Beide Standorte hatten erst im Mai von zwei auf eine Fertigungslinie reduziert, um Überkapazitäten abzubauen. Nun schlägt das Pendel wieder zurück.

Für Emden dürfte der Trend anhalten, denn bald läuft dort der ID. Tiguan als Nachfolger des ID.4 vom Band, analog zum Nachfrageschub beim ID.3 Neo. In Zwickau laufen aktuell neben dem ID.3 Neo auch der Audi Q4 e-tron und der Cupra Born, während der schwach verkaufte ID.5 ausläuft. Für Zwickau sah es 2024 düster aus, als in der Planung nur noch der Audi bleiben sollte. Inzwischen haben sich die Aussichten wieder gebessert.

Sander spricht von einem Wendepunkt: Die Nachfrage nach batterieelektrischen Fahrzeugen steige in Deutschland und anderen europäischen Ländern spürbar an, getrieben unter anderem von hohen Benzin- und Dieselpreisen. Das bedeute zugleich eine geringere Nachfrage nach Verbrennern. Nach Auftragseingang verkauft Volkswagen in Deutschland derzeit mehr reine Elektroautos als Verbrenner, allerdings mit geringerem Gewinn je Fahrzeug.

Den Rückenwind spürt auch die neue Kleinwagen-Flotte auf MEB+-Basis: ID. Polo, Cupra Raval, Skoda Epiq und ID. Cross laufen in zwei spanischen Werken vom Band, zuletzt startete diese Woche der ID. Cross in Navarra bei Pamplona. Für das Quartett liegen laut Automobilwoche schon mehr als 100.000 Vorbestellungen vor, davon über 40.000 für den elektrischen Polo.

Die Kehrseite: Erst am 3. September hatte der VW-Aufsichtsrat einstimmig einen Sparplan beschlossen, wonach Emden und Zwickau ab 2031 keine Autos mehr bauen sollen, Hannover ab 2032 und Neckarsulm ab 2034. Begründung damals: Die deutschen Werke könnten E-Autos ab den 2030er-Jahren nicht mehr wettbewerbsfähig bauen, die Fertigung soll Richtung Tschechien, Slowakei und Polen wandern. Nur 19 Tage später schichtet derselbe Konzern in genau diesen Werken zusätzliche Schichten hinzu, weil er die Nachfrage unterschätzt hat. Ein Widerspruch ist das nicht zwingend, ein Werk kann 2026 ausgelastet und 2031 trotzdem unwirtschaftlich sein, öffentlich aufgelöst hat VW das Spannungsfeld aber nicht.

Der Kontext dazu liefert die deutsche Marktentwicklung: Der BEV-Anteil in Deutschland überschritt im August erstmals die Marke von 30 Prozent. Tesla verdoppelte dabei seine Zulassungen, BYD wuchs fast auf das Fünffache. Die Förderung für Elektroautos hat inzwischen 52.473 Fahrzeuge bewilligt, Tesla liegt darin auf Platz zwei der Marken. Volkswagen baut seine Elektroautos in Sachsen und Niedersachsen, Tesla sein europäisches Model Y in Grünheide, beide kämpfen aktuell um einen Markt, der schneller wächst als eingeplant.

Quellen

  • 01
    electrivewww.electrive.net/2026/09/22/volkswagen-baut-in-emden-und…
  • 02
    teslant.comteslant.com/en/news/vw-emden-zwickau-extra-shifts-w…

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