Ein Fahrer liegt eingeschlafen im Sitz, sein Tesla rollt mit aktivem FSD-Overlay auf dem Screen die Autobahn entlang. Bildunterschrift: „Das Leben eines Tesla-Besitzers mit FSD." Das Video ist kein Einzelfall, sondern Teil eines eigenen Genres, das laut Electrek gerade Instagram, TikTok und X überflutet.
Die Klassiker: Zocken mit Controller bis zum Ziel, dazu der Stolz, man habe „die Eye-Tracking-Kamera überlistet". Live-TV auf dem Center-Screen während der Fahrt, kommentiert mit „einfacher als du denkst". Und die Produktivitäts-Variante: im Cybertruck zurückgelehnt am Laptop tippen, während der Wagen die Autobahn übernimmt, verpackt als Hustle-Tipp.
Neu ist nicht der Missbrauch selbst, den gab es schon zu Autopilot-Zeiten. Neu ist, dass Leute offen damit angeben, Teslas Fahrer-Überwachung ausgetrickst zu haben. Tesla setzt dafür auf Lenkraddrehmoment und zunehmend auf eine kabinengerichtete Kamera, die Augenbewegungen trackt und bei zu vielen Unaufmerksamkeits-Warnungen FSD für eine Woche sperrt. Laut Electrek hat Tesla dieses Kamera-Monitoring 2026 verschärft und arbeitet daran, die Fahreridentität per Kamera zu verifizieren, bevor FSD überhaupt startet.
Die Reaktion der Fahrer: die Überwachung austricksen. Der alte Trick mit dem Gewicht am Lenkrad, um Drehmoment zu simulieren, ist einem neuen gewichen, die Kamera einfach blenden. Ein viraler Clip zeigt, wie ein gefalteter 20-Dollar-Schein über der Kabinenkamera reicht, damit das System glaubt, Andrew Jackson sitze am Steuer. Andere verkaufen die Umgehung als Produkt: Apps und Dongles, die gezielt die „Video-in-Bewegung"-Sperre aushebeln, eine der wenigen Software-Schranken, die Tesla verbaut.
Was in den Captions fehlt: FSD heißt bei Tesla offiziell „FSD (Supervised)", und der eigene Disclaimer ist eindeutig. Aktuell verfügbare Funktionen erfordern aktive Fahrer-Überwachung und machen das Fahrzeug nicht autonom. Schlafen, Zocken, Fernsehen oder Laptop-Arbeit vom Fahrersitz aus gilt in praktisch jeder Rechtsprechung, in der diese Videos entstehen, als unaufmerksames oder rücksichtsloses Fahren, und das ist illegal. Selbst Elon Musk räumte laut Electrek ein, dass Texten am Steuer eines Tesla „in den meisten US-Bundesstaaten illegal" sei, während er gleichzeitig Software bewarb, die genau das erleichtert. Die rechtliche Linie ist nicht, ob das Auto gut fährt, sondern ob ein lizenzierter Mensch bereit war, jederzeit einzugreifen.
Für Tesla wird das teuer. Der Konzern sieht sich laut Electrek Klagen über bis zu 14,5 Milliarden Dollar rund um seine Fahrassistenzsysteme ausgesetzt, verlor ein Urteil über 243 Millionen Dollar wegen eines tödlichen Autopilot-Unfalls, und die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA hat ihre FSD-Untersuchung zu einer technischen Analyse ausgeweitet, die 3,2 Millionen Fahrzeuge betrifft. Teslas eigene Daten zeigen zudem einen Rekord von 207 Autopilot- und FSD-Unfällen in einem einzigen Monat. Nach NHTSA-Meldungen sind in den USA über 50 Menschen bei Unfällen mit Autopilot und FSD gestorben.
Das Muster ist nicht neu: Schon 2021 filmte sich ein TikTok-Star mit über einer Million Aufrufen beim vorgetäuschten Einschlafen im Model 3, samt Gewicht am Lenkrad und blockiertem Sicherheitsgurt, damit er auf den Rücksitz wechseln konnte, während der Wagen fuhr. Seine Mutter half beim Filmen. Auch damals kritisierte Electrek, dass Tesla beim Fahrer-Monitoring hinterherhinke, während der Fokus auf FSD lag. Fünf Jahre später ist aus dem Einzelfall ein eigenes Content-Genre geworden.
Quellen
- 01Electrekelectrek.co/2026/08/26/tesla-owners-filming-breakin…
- 02patch-notes.frpatch-notes.fr/automobile/actu/tesla-owners-are-now-fi…
- 03threads.comwww.threads.com/@electrek.co/post/DcgxOXaGTHg/tesla-own…
- 04electrek.coelectrek.co/2021/01/20/tiktok-star-criminally-tesla…
- 05academia.eduwww.academia.edu/89106728/When_Self_Driving_Fails_Evalua…