Knapp drei Wochen, ein kleiner Wohnwagen im Schlepp, Polen bis fast nach Łeba: Der Kia EV5 Earth hat diesen Praxistest nicht als Sportwagen bestanden, sondern als Reisewerkzeug. Und dabei fiel eine Funktion auf, die im normalen Fahrbericht kaum Platz bekommt: Vehicle-to-Load.
Der Testwagen, ein EV5 Earth mit Frontantrieb und 19-Zoll-Rädern, kostet inklusive Sonderausstattung 54.250 Euro. Kia gibt 520 Kilometer WLTP-Reichweite und 17,1 kWh/100 km Verbrauch an. Am Haken hing ein Mink Camper 2.0, ein Teardrop-Wohnwagen mit 490 Kilogramm Leergewicht und 750 Kilogramm zulässigem Gesamtgewicht. Der Fronttriebler darf gebremste Anhänger bis 1.200 Kilogramm ziehen, schickt 160 kW und maximal 295 Nm an die Vorderachse.
Der befürchtete Reichweiten-Schock bleibt aus. Auf der ersten dokumentierten langen Autobahnstrecke in Polen zeigt der Bordcomputer 24,4 kWh/100 km, auf einer weiteren 174-Kilometer-Etappe bei leichtem Gegenwind 24,1 kWh/100 km. Über insgesamt 404 Kilometer mit Anhänger ergibt sich ein Mittelwert von rund 24,4 kWh/100 km. Zum Vergleich: Kia selbst weist für den EV5 Earth ohne Anhänger einen WLTP-Autobahnwert von 23,3 kWh/100 km aus. Der Mink hilft dabei mit seiner niedrigen, kompakten Form, die sich teilweise hinter der Stirnfläche des EV5 versteckt. Mit einem zwei Meter fünfzig hohen Familiencaravan sähe die Bilanz anders aus. Realistisch waren Etappen von 250 bis 300 Kilometern, was für ein Gespann aus mehr als zwei Tonnen gut funktioniert.
Die eigentliche Überraschung der Reise ist aber das V2L-System. Ab Ausstattung Earth liefert der EV5 serienmäßig bis zu 3,6 kW über eine 230-Volt-Steckdose im Kofferraum sowie einen Adapter am Ladeanschluss. Auf mehreren Campingplätzen, darunter vier Tage nahe Smołdziński Las an der polnischen Ostseeküste, stand der Mink nicht am Stromanschluss. Egal: V2L-Adapter in den Kia, Verlängerungskabel zum Camper, Wasserkocher an, Laptop laden, Föhn benutzen. Der 81,4-kWh-Akku macht den EV5 zur üppig dimensionierten Camping-Powerbank.
Beim Schnellladen setzt der EV5 keine Rekorde. Seine 400-Volt-Architektur schafft maximal 150 kW, von zehn auf 80 Prozent dauert es laut Kia 30 Minuten. In Polen war das weniger das Problem als einzelne Ladestationen mit Kommunikationsproblemen bei der Ad-hoc-Zahlung. Am Ende half jeweils die mitgebrachte deutsche Ladekarte über Roaming, teurer, aber zuverlässig.
Praktisch im Anhängerbetrieb: Der Ladeanschluss sitzt vorne rechts hinter dem Vorderrad. Mit Camper am Haken fährt man einfach vorwärts an die Säule, lädt und rollt rückwärts wieder heraus, ohne abzukoppeln. Softwareseitig wechselt der EV5 beim Ankuppeln automatisch in einen Trailer-Modus und passt die Reichweitenprognose an, mit Auswahl zwischen leichtem, mittlerem und schwerem Anhänger.
Weniger überzeugend: Der Aufmerksamkeitswarner schickt den Fahrer mitunter schon kurz nach dem Start zur Pause, und die Spurführung auf engen polnischen Straßen lenkt gelegentlich gegen die Fahrtrichtung, wenn Gegenverkehr naht. Die Verbrauchsanzeige ist zudem nicht leicht zu finden, ein übersichtlicher Trip-Verbrauch fehlt. Das Cockpit kombiniert reichlich Displays mit vielen physischen Tasten, wirkt dadurch aber an manchen Stellen weniger modern als die Karosserie außen.
Quellen
- 01electrivewww.electrive.net/2026/08/23/vehicle-to-live-wenn-der-kia…
- 02electrive.netwww.electrive.net/location/brandenburg
- 03tkfz-zulassungen.detkfz-zulassungen.de/wissenswertes