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Batterie-Recycling in Europa macht 1,90 Euro Verlust pro Kilo

Eine Zwischenauswertung des EU-Projekts Safeloop zeigt: Gefahrguttransport, Demontage und unsichere Materialrückgewinnung machen das Recycling von E-Auto-Batterien in Europa zum Minusgeschäft, mit spürbaren Folgen für künftige Batteriepreise.

1,90
Verlust je Kilo Batteriepack

Wer ausgediente E-Auto-Batterien recycelt, verliert damit im Schnitt 1,90 Euro pro Kilogramm Batteriepack. Das zeigt ein Zwischenbericht der HHL Leipzig Graduate School of Management aus dem europäischen Forschungsprojekt Safeloop. Größter Kostentreiber ist der Transport: Weil ausgebaute Lithium-Ionen-Batterien als Gefahrgut gelten, kostet ihre Logistik im Schnitt 16-mal mehr als der Versand gewöhnlicher Fracht. Dazu kommen die Demontage der Packs und Unsicherheiten bei der Materialrückgewinnung.

Das deckt sich mit einer Studie des Lehrstuhls Production Engineering of E-Mobility Components (PEM) der RWTH Aachen. Dort kommt Studienautorin Natalia Soldan zum Schluss, dass Transport je nach Gefahreneinstufung bis zu 70 Prozent der gesamten Recyclingkosten ausmachen kann. Hinzu kommt: Die zurückgewonnene Schwarzmasse muss mangels europäischer Nachfrage oft ins Ausland verkauft werden, und viele Recyclinganlagen laufen laut Soldan mit weniger als zehn Prozent ihrer Kapazität. Die Infrastruktur für die chemische Verarbeitung braucht laut PEM zusätzlich rund 23 Euro Investition pro Tonne Inputmaterial.

Die Wirtschaftlichkeit wird zum Politikum, weil die EU-Batterieverordnung ab August 2031 verbindliche Mindestanteile an recycelten Rohstoffen in neuen Fahrzeug-, Industrie- und Starterbatterien vorschreibt. Safeloop hat modelliert, was die aktuellen Verluste bedeuten würden: Bei einem Recyclinganteil von 20 Prozent und vollständiger Weitergabe der Verluste würde ein Batteriepack rund sechs Prozent teurer.

Einen Ausweg sehen die Forscher in der Weiterverwendung ausgedienter Batterien als stationäre Speicher, etwa aus Elektrobussen. Über beide Nutzungsphasen hinweg kann der wirtschaftliche Gesamtwert einer Batterie so um 64 Prozent steigen. Das Problem: Von diesem Mehrwert profitieren vor allem Fahrzeug- und Speicherbetreiber, nicht diejenigen, die die höheren Kosten für Recycling und Kreislaufführung tragen. Die Forscher sprechen von einem Verteilungsproblem, das Investitionen in die Kreislaufwirtschaft ausbremst. Acht Expertengespräche im Rahmen der Studie zeigen zudem, dass Sicherheitsbedenken und die Risikoeinschätzung von Investoren die Verbreitung von Second-Life-Speichern bremsen. Verlässliche Informationen zum Batteriezustand, etwa über den kommenden Battery Pass, sowie wettbewerbsfähige Kosten und langfristige Garantien gelten als Voraussetzung.

Dabei ließe sich einiges reparieren. Sicherere Batteriedesigns, kürzere Transportwege, stärker automatisierte Demontage, spezialisierte Recyclingstrukturen und einheitliche Transportstandards könnten die Kosten laut Safeloop zusammen um rund 34 Prozent senken. Aus dem aktuellen Verlust von 1,90 Euro pro Kilogramm würde im Modell ein kleiner Gewinn von 13 Cent. Auch die RWTH Aachen schlägt eine dezentrale Struktur vor, die regionale Vorbehandlung mit zentraler chemischer Verarbeitung kombiniert und so Transportwege verkürzt.

Safeloop geht noch einen Schritt weiter und will nicht nur an der Technik, sondern an der Organisation der Wertschöpfungskette ansetzen. Vorgeschlagen werden neue Koordinationsakteure, die Batteriepacks und ihre Materialien über mehrere Lebensphasen hinweg verwalten und so Kosten und Erlöse zwischen Herstellern, Fahrzeugbetreibern, Second-Life-Anbietern und Recyclern neu verteilen. „Solche Akteure würden die Batterien und die darin enthaltenen Materialien besitzen. Sie könnten Marktdruck für Innovationen in vorgelagerten Prozessen aufbauen und gleichzeitig den Wert aus dem zweiten Leben der Batterie fair umverteilen“, erklärt Studienleiter Dima Smirnov von der HHL. Sein Fazit: „Europa braucht deshalb nicht nur bessere Batterieprozesse, sondern marktbasierte Geschäftsmodelle, die Zirkularität wirtschaftlich tragfähig machen.“

Dass an der Skalierung solcher Ansätze noch gearbeitet wird, zeigt auch eine im Mai gestartete Kooperation zwischen EU und Indien. Beide Seiten stellen 15,2 Millionen Euro für fortschrittlichere Recyclingtechnologien bereit, unter anderem für effizientere Materialrückgewinnung, digitalisierte Sammel- und Sortiersysteme und Second-Life-Anwendungen. In Indien soll dazu eine Pilotanlage entstehen. Safeloop selbst läuft seit 2024, ist auf drei Jahre angelegt, wird von der EU mit rund 4,7 Millionen Euro gefördert und bringt 15 Institutionen aus elf Ländern zusammen.

Quellen

  • 01
    electrivewww.electrive.net/2026/08/28/verlustgeschaeft-studie-zeig…
  • 02
    electrive.netwww.electrive.net/2026/04/22/redwood-richtet-sich-mehr-au…
  • 03
    tkfz-zulassungen.detkfz-zulassungen.de/wissenswertes
  • 04
    aktienkracher.dewww.aktienkracher.de/verlustgeschaeft-studie-zeigt-wirtschaf…
  • 05
    320grad.de320grad.de/2025/07/14/studie-europas-batterierecyc…

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