Afrika installiert 2026 voraussichtlich 17 Gigawatt Solar, 45 Prozent mehr als im Vorjahr, doch drei Viertel davon taucht in keiner offiziellen Statistik auf.
Das ist das Kernergebnis einer neuen Analyse von Ember und African Tech Futures Lab, veröffentlicht am 27. August 2026. Die Forscher haben eine Methode entwickelt, die chinesische Zolldaten für Solarmodul-Exporte auf einzelne afrikanische Länder herunterbricht. Weil rund 73 Prozent der exportierten Panels erfahrungsgemäß innerhalb von sechs Monaten installiert werden (basierend auf Mustern in der EU und fünf weiteren Märkten), lässt sich daraus die tatsächliche Installationsrate schätzen, sogar für das laufende Jahr, da chinesische Exportdaten bereits bis Juni 2026 vorliegen.
Das Ergebnis widerspricht deutlich den Zahlen internationaler Institutionen. Für 2025 kommt Ember auf 12 Gigawatt Zubau in Afrika, fast doppelt so viel wie die Schätzung der Internationalen Energieagentur (6,2 GW) und deutlich mehr als die von IRENA (4,6 GW). Nur 14 Länder haben überhaupt offizielle Zahlen für 2025 gemeldet.
Der Grund für die Lücke: Rund 75 Prozent des Zubaus zwischen 2023 und 2025, etwa 20 Gigawatt, entfielen auf dezentrale Solaranlagen, also Dach- und Gewerbesysteme, die selten registriert werden. Nur zwölf Länder erfassen überhaupt offizielle oder halboffizielle Zahlen zu dezentraler Solarenergie, und selbst die unterschätzen laut Ember das tatsächliche Wachstum. Länder mit reiferen Genehmigungssystemen wie Tunesien und Südafrika zeigen deutlich kleinere unerfasste Anteile, was zeigt, dass bessere Regulierung die Datenlücke schließen kann.
Das Wachstum verteilt sich über den ganzen Kontinent: 36 von 54 Ländern erwarten 2026 Rekord-Installationen, 19 Länder verzeichnen ein Plus von über 100 Prozent. Die Demokratische Republik Kongo führt mit 544 Prozent, gefolgt von Simbabwe (282 Prozent) und Ägypten (176 Prozent). Südafrika, einst für die Hälfte aller Solarimporte des Kontinents verantwortlich, wird 2026 nur noch weniger als ein Fünftel der Installationen stellen, weil das Wachstum in neue Märkte abwandert.
Dave Jones, Chefanalyst bei Ember, bringt es auf den Punkt: Solarpanels seien inzwischen so billig, dass die Wirtschaftlichkeit einfach stimmt. Sein Kommentar zur Datenlage: Nationale Regierungen müssten besser darin werden, Solardaten zu erfassen, denn Länder würden bereits in schnelleres, saubereres Energiewachstum hineinspringen, und wer als Regierung früh dabei ist, profitiert am meisten.
Die neue Solarleistung 2026 soll rund 23 Terawattstunden Strom pro Jahr erzeugen, das entspricht dem durchschnittlichen jährlichen Nachfragewachstum Afrikas der letzten zehn Jahre. In zehn Ländern mit zusammen 190 Millionen Einwohnern wird der Solarzuwachs mehr als 10 Prozent zur jährlichen Stromerzeugung beitragen, in Sierra Leone sogar 97 Prozent.
Auch die Fertigungsseite zieht an: Afrikas Produktionskapazität für PV soll sich 2026 vervierfachen, auf etwa 3,5 Gigawatt, durch neue Werke in Ägypten und Tansania. Der Großteil davon ist allerdings für den Export in die USA bestimmt, während 94 Prozent der in Afrika installierten Panels weiterhin aus China importiert werden.
Joel Nana, Forschungsdirektor beim African Tech Futures Lab, warnt vor der Konsequenz: Dezentrale Energieressourcen wüchsen in Afrika so schnell, dass sie vielerorts die Netzkapazität überholen. Diese Transformation verlaufe chaotisch und disruptiv, weit entfernt vom geordneten Modell, das nationale Strategien vorsehen. Die Politik müsse jetzt auf diesen Wandel reagieren.
Quellen
- 01PV Techwww.pv-tech.org/africas-hidden-solar-boom-revealed
- 02cleantechnica.comcleantechnica.com/2026/09/02/africa-solar-boom-hidden-off…
- 03downtoearth.org.inwww.downtoearth.org.in/africa/africas-solar-boom-is-bigger-tha…
- 04africanexponent.comwww.africanexponent.com/africas-hidden-solar-boom-how-c-i-platf…
- 05africabrief.substack.comafricabrief.substack.com/p/africa-solar-growth-steady-but-lags