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Energieexperte: Bidirektionales Laden könnte 8 Milliarden Euro pro Jahr sparen

Dr. Tim Meyer sieht im Elektroauto einen 'schlafenden Riesen' für das Stromsystem, doch Regulierung und Netzbetreiber bremsen die Nutzung aus.

8Mrd. €/Jahr
Entlastung durch bidirektionales Laden

Eine Fraunhofer-Studie kommt laut Dr. Tim Meyer auf eine Entlastung des Energiesystems von gut acht Milliarden Euro pro Jahr, wenn bidirektionales Laden flächendeckend genutzt würde. Das sagt der Energieexperte und Buchautor im Interview mit electrive vor seiner Keynote beim CharIN Testival & Conference Europe 2026 in Blomberg.

Meyer beschäftigt sich seit mehr als 25 Jahren mit dem Zusammenspiel von Technologie, Wirtschaft und Politik in der Energiewende. Seine These: Deutschland hat sich zu lange auf den Ausbau erneuerbarer Energien konzentriert und dabei drei Lücken vernachlässigt. Es fehlt an Elektrifizierung des Verbrauchs, an Flexibilisierung des Systems und vor allem an Infrastruktur. Die Verteilnetze hinken der Entwicklung nach seinen Worten "massiv" hinterher.

Genau hier kommt das Elektroauto ins Spiel. Ein Fahrzeug mit 40 oder 60 Kilowattstunden Batterie hat laut Meyer schon mehr Speicherkapazität als eine typische Heimbatterie. Bei knapp 50 Millionen Pkw in Deutschland reicht es, wenn nur 10 bis 15 Prozent der Flotte regelmäßig angeschlossen sind: Dann entstehen Speicherkapazitäten von mehreren hundert Gigawattstunden, ein Mehrfaches der heutigen Pumpspeicher. Meyer nennt das ein "Geschenk der Antriebswende an das Energiesystem".

Das Problem liegt für ihn nicht bei der Fahrzeugtechnik, sondern bei den Strukturen der Energiewirtschaft. Es fehlt an zeitaufgelöster Messung, wer wie viel Energie liefert oder verbraucht, an einheitlichen Abrechnungsprozessen und an Standards. Verschärft wird das durch einen Fehlanreiz in der Regulierung: Netzbetreiber verdienen laut Meyer eher am Ausbau klassischer Infrastruktur, am "Kupfer in der Erde", als an intelligenten, netzdienlichen Lösungen.

Als aktuelles Beispiel für halbherzige Regulierung nennt Meyer die geplante EEG-Novelle, die neue kleinere PV-Anlagen pauschal auf 50 Prozent Einspeiseleistung begrenzen soll. Die Zielsetzung, Solarspitzen zu kappen und Netzkapazität freizumachen, hält er für nachvollziehbar. Die pauschale Umsetzung kritisiert er aber scharf: Sie unterscheidet nicht, ob Smart Meter vorhanden sind, ob in einem Netzabschnitt überhaupt ein Engpass besteht, und lässt offen, ob auch Batteriespeicher betroffen sind. Sein Vorschlag: dynamische Preissignale statt starrer Grenzen, weil ein Netzengpass oft nur wenige Stunden im Jahr auftritt.

Als Vorbild verweist Meyer auf Dänemark, wo über verschiedene Regierungen hinweg seit Jahrzehnten ein gemeinsamer Kurs in der Energiewende bestehe. In Deutschland wünscht er sich weniger Polarisierung: Das Elektroauto sei "keine linke oder grüne Erfindung", sondern eine technologische Modernisierung, die sich weltweit durchsetze. Den aktuellen E-Auto-Boom deutet er als Zeichen, dass Verbraucher und Unternehmen der Politik in Sachen Akzeptanz bereits voraus seien.

Das CharIN Testival & Conference Europe 2026 findet vom 22. bis 25. September bei Phoenix Contact in Blomberg statt. Die Conference widmet sich der Verbindung von Mobilität und Energiesystem, das anschließende Testival testet Interoperabilität von Ladetechnologien unter realen Bedingungen.

Quellen

  • 01
    electrivewww.electrive.net/2026/09/05/dr-tim-meyer-das-elektroauto…
  • 02
    aktienkracher.dewww.aktienkracher.de/dr-tim-meyer-das-elektroauto-ist-ein-ge…
  • 03
    electrive.comwww.electrive.com/2026/09/05/dr-tim-meyer-the-electric-ca…

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