Volkswagen-Chef Oliver Blume soll seinen Topmanagern bei der Vorstandssitzung am vergangenen Mittwoch einen Plan unter dem Titel "Group Target Picture" für 2030 präsentiert haben. Darin ist laut Manager Magazin vorgesehen, weltweit bis zu 100.000 der rund 657.000 Konzernstellen zu streichen. Das wäre ein Siebtel aller weltweiten Arbeitsplätze im VW-Konzern.
Besonders konkret werden die Pläne bei vier deutschen Werken: Die VW-Fabriken in Hannover, Zwickau und Emden sowie das Audi-Werk in Neckarsulm sollen mittelfristig geschlossen werden. An diesen vier Standorten arbeiten aktuell gut 40.000 Menschen, die jährliche Produktionskapazität liegt bei rund 750.000 Fahrzeugen. Der Vorstand soll bereit sein, dort jeweils nur noch die aktuelle Modellgeneration zu bauen. Geplante Folgemodelle würden gestrichen oder an günstigeren Standorten gefertigt. Die Produktion dürfte laut Insiderberichten zum großen Teil erst nach 2030 enden.
Bemerkenswertes Detail: Zwickau und Emden sind reine Elektroauto-Standorte. In Zwickau laufen ID.3, ID.4, ID.5, Cupra Born und Audi Q4 e-tron vom Band, in Emden ID.4, ID.7 und ID.7 Tourer. Beide Werke hatten bereits von zwei auf eine Linie reduziert, um Überkapazitäten abzubauen. Das Werk Hannover ist Hauptsitz von VW Nutzfahrzeuge und produziert den ID. Buzz sowie die T-Baureihe. In Neckarsulm fertigt Audi vor allem Verbrenner und Hybride, in den Böllinger Höfen aber auch den e-tron GT.
Als dritte Säule des Sanierungsplans steht eine Konzernumstrukturierung: Sowohl die Kernmarke VW als auch die Komponentenwerke sollen aus dem Konzernverbund herausgelöst und in eigene Gesellschaften eingebracht werden, die "einfacher am Kapitalmarkt zu platzieren" seien. Dem Aufsichtsrat will Blume das Programm am 9. Juli vorstellen.
Der Plan würde die bisherige Sanierungsroadmap massiv verschärfen. Ende 2024 hatten sich Konzernspitze und Betriebsrat auf den Abbau von 35.000 Stellen bis 2030 geeinigt, später wurden daraus 50.000 Stellen konzernweit. Nun steht die doppelte Zahl im Raum. Ziel sei laut einem Insider, die Sachgemeinkosten bis 2030 um 11 Milliarden Euro zu senken.
IG Metall und Betriebsrat reagieren scharf. Christiane Benner (Erste Vorsitzende der IG Metall), VW-Konzernbetriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo und IG-Metall-Bezirksleiter Thorsten Gröger erklärten gemeinsam: "Angriffe auf das VW-Gesetz, die Mitbestimmung und unsere Standorte sind unverantwortliche Drohungen. Sollten solche Pläne vorangetrieben werden, würden wir sie mit aller Macht verhindern." Gleichzeitig fordert das Trio den Vorstand auf, sich auf "wettbewerbsfähige Produkte, Technologien, Konzernstrukturen und -synergien" zu konzentrieren.
Wichtig: Das Manager Magazin beruft sich auf Insider, die Präsentation liegt dem Magazin selbst nicht vor. Der NDR erklärte allerdings, dass ihm entsprechende Pläne des Vorstandes vorliegen. Vieles bleibt damit vorerst im Konjunktiv.
Quellen
- 01electrivewww.electrive.net/2026/06/26/vw-vorstand-will-mittelfrist…
- 02Golem.de — Autowww.golem.de/news/deutsche-tochterfirma-waymo-landet…
- 03energiezukunftwww.energiezukunft.eu/erneuerbare-energien/solarenergie/vier-…
- 04Battery-Newsbattery-news.de/2026/06/24/lyten-bietet-offenbar-60-mil…
- 05tagesschau — Wirtschaftwww.tagesschau.de/wirtschaft/finanzen/bargeld-studie-bund…