Porsche prüft, die Cayenne-Produktion vom Volkswagen-Konzernwerk in Bratislava zurück ins Leipziger Werk zu verlagern. Das berichtet die F.A.Z. unter Berufung auf Arbeitnehmerkreise. Sprecher der Marke und des Gesamtbetriebsrats bestätigten gegenüber der Zeitung, dass entsprechende Gespräche laufen. Offiziell äußern wollte sich Porsche nicht.
Die Bedingung für den Standortwechsel ist heikel: Die Mitarbeiter in Leipzig sollen Gehaltskürzungen akzeptieren, weil die Lohnkosten in der Slowakei deutlich niedriger sind. Für die Belegschaft bedeutet das einen direkten Einschnitt als Preis für die Arbeitsplatzsicherung.
Dabei wäre die Elektro-Phase in Bratislava ausgesprochen kurz: Erst seit Anfang Februar 2026 laufen dort alle Cayenne-Varianten, also Verbrenner, Hybride und der Elektro-Cayenne, auf einer gemeinsamen flexiblen Linie vom Band. Verbrenner und Hybride werden in der Slowakei schon seit einigen Jahren gefertigt. Die eigentliche Heimat des Cayenne ist aber Leipzig, wo die ersten beiden Generationen von 2002 bis 2017 montiert wurden, bevor die Baureihe nach Bratislava wechselte.
Der Druck hinter dem Schritt ist erheblich. Porsche-CEO Michael Leiters, der Oliver Blume zum Jahreswechsel abgelöst hat, muss die schlecht ausgelasteten Werke in Leipzig und Zuffenhausen stabilisieren. Nach einem schwachen Jahr 2025 brach der Porsche-Absatz im ersten Quartal 2026 nochmals um 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr ein, auf nur noch 60.991 Fahrzeuge. In China fiel das Minus mit 21 Prozent noch deutlicher aus.
Leiters will auf einem Kapitalmarkttag im Oktober eine Strategie zur Neuausrichtung der Marke vorstellen. Bereits bekannt ist laut F.A.Z., dass Porsche die Zahl der Modellvarianten reduzieren, die Entwicklung umbauen und Synergien mit VW stärker nutzen will. Am Stammsitz Zuffenhausen und im Entwicklungszentrum Weissach sollen Stellen in niedriger vierstelliger Höhe zur Disposition stehen.
Der Kontext macht die Lage noch komplizierter: Konzernmutter Volkswagen steckt selbst in der Krise und plant laut aktuellen Berichten einen verschärften Sparkurs mit potenziell bis zu 100.000 Jobstreichungen, vier Werksschließungen und Marken-Abspaltungen. Porsche steht damit unter doppeltem Druck: eigene Absatzschwäche und ein angeschlagener Mutterkonzern.
Quellen
- 01electrivewww.electrive.net/2026/06/29/porsche-will-wohl-cayenne-pr…
- 02ecomentofeeds.feedblitz.com/~/958358945/0/ecomento_de~Smart-soll-un…
- 03electrivewww.electrive.net/2026/06/24/neue-spanische-e-auto-foerde…
- 04Elektroauto-News.netwww.elektroauto-news.net/news/telo-mt1-epickup-mini-format-produ…
- 05Golem.de — Autowww.golem.de/news/facelift-porsche-taycan-bekommt-ga…