MAN Truck & Bus hat im Werk München den ersten serienmäßig produzierten Elektro-Lkw mit Megawatt Charging System (MCS) gefertigt. Nach eigenen Angaben ist MAN damit der erste Hersteller in Europa, der MCS-fähige E-Lkw regulär in Serie baut.
Der Unterschied zum bisherigen Standard ist erheblich. Über das Combined Charging System (CCS) laden die Modelle eTGX und eTGS bisher mit bis zu 375 kW. Mit MCS steigt die Ladeleistung auf bis zu 750 kW, bei maximal 1.000 Ampere und 750 Volt. Konkret bedeutet das: Ein eTGX oder eTGS mit sechs Batteriepaketen und 534 kWh Gesamtkapazität lädt von 20 auf 80 Prozent in weniger als 30 Minuten. Die Variante mit sieben Paketen und 623 kWh schafft denselben Ladehub in weniger als 40 Minuten. Damit passen beide Varianten in die gesetzlich vorgeschriebene 45-minütige Fahrerpause nach viereinhalb Stunden Lenkzeit.
MAN nennt Einzelreichweiten von bis zu 570 Kilometern zwischen zwei Ladestopps. Mit einer Zwischenladung sollen Fernverkehrssattelzüge mehr als 1.000 Kilometer pro Tag in vergleichbarer Arbeitszeit wie ein Diesel-Lkw zurücklegen können. Die ersten Fahrzeuge gehen schrittweise an Kunden in Belgien, Dänemark, Deutschland, Großbritannien, Italien, den Niederlanden, Norwegen, Spanien und Tschechien.
MAN ist nicht allein auf diesem Weg. Mercedes-Benz Trucks erprobte MCS Anfang 2026 mit zwei eActros 600 auf einer rund 2.400 Kilometer langen Fahrt zwischen Deutschland und Schweden, bietet das System aber bislang nur als Vorbereitung für eine spätere Nachrüstung an. Scania nennt ebenfalls 750 kW MCS-Ladeleistung für seine batterieelektrischen Lkw und hat angekündigt, die Technik ab 2026 für Fahrzeugbestellungen anzubieten. MCS entwickelt sich damit zu einem herstellerübergreifenden Standard, was für Speditionen wichtig ist: Öffentliche Ladeparks müssen Fahrzeuge verschiedener Marken bedienen können.
Genau dort liegt der Engpass. Öffentliche MCS-Ladepunkte sind in Europa noch rar. Das Gemeinschaftsunternehmen Milence, getragen von Daimler Truck, der Traton Group und der Volvo Group, betreibt öffentlich zugängliche MCS-Anlagen unter anderem in Antwerpen, Zwolle und Landvetter. In Antwerpen stehen MCS-Ladepunkte mit zusammen 2,8 MW bereit. Anfang Juni 2026 eröffnete Milence seinen 37. europäischen Ladepark, doch nicht jeder Standort verfügt bereits über MCS. Viele Anlagen arbeiten zunächst mit CCS und sollen später aufgerüstet werden.
Für Flottenbetreiber heißt das: Die Fahrzeugtechnik ist da, die Infrastruktur hält noch nicht Schritt. Wer einen MCS-fähigen eTGX oder eTGS einsetzen will, muss Routen vorab konkret prüfen, welche Ladeleistung an welchem Punkt tatsächlich verfügbar ist. Auch am eigenen Depot können Ladeleistungen im hohen dreistelligen Kilowattbereich einen Ausbau des Netzanschlusses und zusätzliche Transformatoren erfordern. MAN berücksichtigt nach eigenen Angaben bestehende und geplante MCS-Standorte in seiner Einsatzberatung und bietet über den Dienst MAN Charge&Go Zugang zu geprüften MCS- und CCS-Ladepunkten in Europa.
Quellen
- 01electrivewww.electrive.net/2026/07/30/man-bringt-mcs-faehige-e-lkw…
- 02verkehrsrundschau.dewww.verkehrsrundschau.de/nachrichten/transport-logistik/man-brin…
- 03press.mantruckandbus.compress.mantruckandbus.com/corporate/de/man-startet-serienprodukti…
- 04trans.infotrans.info/man-puts-mcs-equipped-electric-trucks-i…
- 05trans.infotrans.info/man-etgx-mcs-serienproduktion-492807