Der dänische Offshore-Spezialist Cadeler hat sein neues Installationsschiff Wind Ace in Betrieb genommen, gebaut auf der chinesischen COSCO-Werft in Qidong. Das Schiff ist das zweite sogenannte A-Class-Vessel in der Cadeler-Flotte und speziell für die Installation von XXL-Windturbinen ausgelegt. Als erstes Projekt steuert Wind Ace den britischen Offshore-Windpark East Anglia TWO von ScottishPower Renewables an, wo es 64 Turbinen samt Fundamente transportieren und installieren soll.
Cadeler bezeichnet sich selbst als Betreiber der weltgrößten Flotte von Jack-up-Offshore-Windinstallationsschiffen. Aktuell zählt die Flotte elf Einheiten, ein zwölftes Schiff ist bereits bestellt. Die Auslieferung des dritten A-Class-Schiffs namens Apex Wind ist für nächstes Jahr geplant. CEO Mikkel Gleerup begründet die Investition mit dem Wachstum der Branche: "Da Turbinen und Fundamente größer werden und Projekte komplexer, brauchen unsere Kunden Partner, die den gesamten Installationsumfang sicher und zuverlässig abdecken können."
Der Bau solcher Spezialschiffe ist kein Selbstzweck. Die Datenanalysefirma Energy Solutions Intelligence hat im Dezember 2025 auf Basis von 247 Projekten in 18 Ländern festgestellt, dass neue Offshore-Windprojekte 2026 Stromgestehungskosten von 40 bis 50 Dollar pro MWh erreichen, was mit Erdgas konkurriert und günstiger als neue Kohlekraftwerke ist. Zum Vergleich: Noch 2021 lagen die Kosten laut dem US-Energieministerium bei 75 Dollar pro MWh. Das DOE-Modell FORCE prognostiziert einen weiteren Rückgang auf 53 Dollar pro MWh bis 2035 für Festgründungs-Windparks. Bei Floating-Offshore-Wind, der in tieferen Gewässern eingesetzt wird, soll der Preis sogar von 207 auf 64 Dollar pro MWh fallen.
Ein weiterer Kostentreiber ist der Betrieb. Laut einer Schätzung entfallen rund 33 Prozent der Stromgestehungskosten auf Betrieb und Wartung. Davon wiederum machen Personalkosten inklusive Transportlogistik auf See bis zu 80 bis 90 Prozent aus. Das britische HOME-Konsortium, 2020 unter Federführung der University of Manchester gestartet, hat deshalb Drohnen, Unterwasserroboter und mobile Inspektionsroboter für Umspannwerke entwickelt. Das niederländische Forschungsprojekt FLOW ergänzt das mit einem Wetter-Dashboard, das Betreibern ein präzises Zwei-Tage-Planungsfenster für jeden einzelnen Turbinenbesuch liefert. Eine DNV-Studie aus 2024 kommt zu dem Schluss, dass frühe Investitionen in Lieferketten und Infrastruktur die Kosten künftiger Projekte um bis zu 14 Prozent senken können.
China spielt in dieser Entwicklung eine zentrale Rolle. Als der Tie Jian Feng Dian 2000, ein chinesisches Installationsschiff der vierten Generation mit einem Hauptkran-Hubgewicht von 2.000 Tonnen, Ende 2024 seinen Probelauf startete, konnte es bereits Turbinen ab 20 Megawatt installieren. Zum Vergleich: Die ersten fünf kommerziellen Offshore-Turbinen in den USA hatten vor zehn Jahren je 6 Megawatt. Bis Ende des dritten Quartals 2024 hatte China kumuliert 39,1 Gigawatt Offshore-Windleistung ans Netz gebracht und damit weltweit den ersten Platz belegt. Im Jahr 2023 entfiel die Hälfte der global neu installierten Offshore-Windkapazität auf China.
In den USA läuft die Entwicklung in die entgegengesetzte Richtung. Die Trump-Regierung hat das Offshore-Leaseprogramm ausgesetzt, mehr als 3,5 Millionen Acres bereits ausgewiesener Windenergieflächen in Bundesgewässern gestrichen und Fördergelder für zwölf Hafenausbauprojekte zurückgezogen. Zudem müssen alle Solar- und Windprojekte auf Bundesland und -gewässern nun persönlich von Innenminister Doug Burgum genehmigt werden. Gegen Trumps Windenergie-Stopp klagen die Generalstaatsanwälte von 17 Bundesstaaten und dem District of Columbia.
Quellen
- 01CleanTechnicacleantechnica.com/2026/07/18/offshore-wind-china-reducing…
- 02english.ship-research.comenglish.ship-research.com/en/article/2024/4
- 03en.people.cnen.people.cn/n3/2024/1209/c90000-20251421.html
- 04doi.govwww.doi.gov/pressreleases/trump-administration-prot…
- 05apnews.comapnews.com/article/trump-wind-permitting-offshore-…