Ab dem 1. Oktober erhebt die Brüsseler Regionalregierung eine Gebühr von 0,06 Euro pro Minute, wenn ein Elektrofahrzeug zwischen 9 und 22 Uhr länger als sechs Stunden an einem öffentlichen Ladepunkt angeschlossen bleibt. Der Grund liegt in einer schlichten Diskrepanz: Laut regionalem Netzbetreiber Sibelga stehen Fahrzeuge im Schnitt sechs Stunden und 30 Minuten an der Säule, obwohl ein typischer Ladevorgang zum Nachladen von 18 kWh nur rund zwei Stunden und 20 Minuten dauert. Die langen Standzeiten führen trotz kontinuierlichem Netzausbau zunehmend zu Engpässen.
"Ladestationen sind keine Parkplätze", sagte Brüssels Staatssekretärin für Energie, Audrey Henry, gegenüber The Brussels Times. Gemeinsam mit Staatssekretärin für Umwelt Ans Persoons treibt sie die Regelung voran. Ziel ist eine effizientere Nutzung der vorhandenen Infrastruktur, um den Hochlauf der Elektromobilität in der Hauptstadt zu unterstützen.
Der Zeitpunkt ist nicht zufällig gewählt. Inzwischen ist laut Regionalregierung rund jeder vierte neu zugelassene Pkw in Brüssel ein Batterie-elektrisches Fahrzeug. Bei Firmenwagen liegt der BEV-Anteil unter den Neuzulassungen sogar bei 61 Prozent. Je mehr E-Autos auf die Straße kommen, desto teurer wird jede blockierte Ladesäule für alle anderen.
Brüssel steht mit dieser Maßnahme nicht allein. In Antwerpen fällt nach Erreichen des vollen Ladestands ebenfalls eine minutengenaue Blockiergebühr an. Gent erhebt 3,60 Euro pro Stunde, wenn Fahrzeuge nach abgeschlossenem Ladevorgang an öffentlichen Punkten stehen bleiben. Brüssel wählt mit dem Sechs-Stunden-Puffer einen vergleichsweise großzügigen Ansatz, der Alltagsparker mit langen Arbeitszeiten schonen soll, aber chronische Dauerparker trifft.
Parallel dazu arbeitet die EU an strukturellen Erleichterungen für den Ladenetzausbau. Der Industrie- und Energieausschuss des Europäischen Parlaments hat mit 57 zu 3 Stimmen (sowie 8 Enthaltungen) eine Position verabschiedet, die Genehmigungsverfahren für Ladestationen deutlich beschleunigen soll. Konkret schlägt das Parlament vor, die Genehmigungspflicht-Schwelle von 100 auf 200 kW anzuheben und für Ladestationen bis 1 MW auf sogenannten künstlichen Strukturen, etwa Autobahnraststätten, ganz auf Genehmigungen zu verzichten. Für Ladestationen bis 1 MW sollen künftig nur noch drei Monate Genehmigungszeit gelten. Beschlossen ist das noch nicht: Die Trilog-Verhandlungen mit Kommission und Mitgliedstaaten beginnen erst, sobald der Rat seinen eigenen Standpunkt festgelegt hat.
Quellen
- 01electrivewww.electrive.net/2026/07/06/bruessel-bittet-ladesaeulen-…
- 02Elektroauto-News.netwww.elektroauto-news.net/news/neuer-bsi-bericht-warnt-vor-sicher…
- 03electrivewww.electrive.net/2026/06/26/volkswagen-trennt-sich-von-s…
- 04electrivewww.electrive.net/2026/07/03/eu-parlament-will-genehmigun…
- 05electrive.comwww.electrive.com/2026/07/06/brussels-to-fine-ev-charging…