Der Photovoltaik-Ausbau läuft, aber er schafft ein neues Problem: Strom entsteht dann, wenn er nicht gebraucht wird. An sonnigen Tagen häufen sich Überschüsse, Netzengpässe nehmen zu, und Erneuerbare müssen teilweise abgeregelt werden. Michael Reichert, Mitgründer und Geschäftsführer der WI Energy GmbH, bringt es auf den Punkt: "Die erste Phase der Energiewende bestand darin, möglichst viel erneuerbaren Strom zu erzeugen. Jetzt beginnt die zweite Phase: Energie dann verfügbar zu machen, wenn sie tatsächlich gebraucht wird."
Diese Einschätzung deckt sich mit dem, was sich am Markt beobachten lässt. Claudia Kemfert, Energieexpertin beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, spricht von einem regelrechten Boom bei Batteriespeichern, auch bei Großspeichern. Als Treiber nennt sie zwei Faktoren: Die Preise für Akkus sind deutlich gesunken, die Lebensdauer gleichzeitig gestiegen.
Wie das in der Praxis aussieht, zeigt der Rollladen-Hersteller Lakal aus Saarlouis. Das Unternehmen betreibt eine große Photovoltaik-Anlage auf dem Dach und hat vor anderthalb Jahren einen Batteriespeicher nachgerüstet. Geschäftsführer Heiko Sonnekalb beziffert die Ersparnis auf rund 50 Prozent der Stromkosten und rechnet damit, die Investition in sieben Jahren wieder hereinzuholen.
Im industriellen Maßstab plant der Energiekonzern Iqony am Standort Duisburg-Walsum einen Batteriespeicher mit 50 Megawatt Leistung, der einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag kosten soll. Rund 70 Prozent der Kapazität hat sich die Deutsche Bahn gesichert. Laut Projektleiter Christian Karalis kann die Bahn damit jährlich Strom für rund drei Millionen ICE-Kilometer zwischenspeichern. Die Bahn will bis 2040 klimaneutral werden und ist Deutschlands größte Stromverbraucherin.
Der Markt reagiert auf diese Nachfrage. Der Umsatz des Speicherherstellers Fluence aus Erlangen hat sich in den vergangenen fünf Jahren verdreißigfacht, auf 2,7 Milliarden US-Dollar. Das Unternehmen baut aktuell allein in Deutschland sechs Großspeicher. Bei der Bundesnetzagentur liegen nach eigenen Angaben über 1.000 Projektanfragen für Großakkus vor.
Doch der Boom könnte noch größer sein, wenn die Regulierung mithält. Großspeicher reagieren bisher kaum auf Netzengpässe, weil finanzielle Anreize dafür fehlen. Maximilian Fichtner vom Karlsruher Institut für Technologie sieht einen merklichen Effekt auf den Strompreis erst in zwei bis drei Jahren, wenn größere Speicher wirklich ins Netz integriert sind. Als Vorbilder nennt er Großbritannien und Australien. Sein Kalkül: "Wenn nur ein Zehntel der beantragten Anlagen wirklich gebaut werden, haben wir schon das Ausbauziel für 2030 erreicht."
Quellen
- 01Windkraft-Journalwww.windkraft-journal.de/2026/08/07/stromueberschuesse-netzengpa…
- 02tagesschau.dewww.tagesschau.de/wirtschaft/energie/boom-batteriespeiche…