MCS ist noch nicht vollständig am Markt, da gibt es schon Alternativen. Das Megawatt Charging System erreicht laut seiner technischen Spezifikation IEC TS 63379 eine Spitzenleistung von 3,75 Megawatt, bei bis zu 1.250 Volt und maximal 3.000 Ampere. Auf der Power2Drive Europe im Juni in München waren bereits zwei Konzepte zu sehen, die diesen Wert übertreffen oder das manuelle Einstecken gleich ganz abschaffen wollen.
Das Unternehmen akroVA, ein Spin-off der paXos Solar GmbH, zeigte einen manuell bedienbaren Stecker für bis zu sechs Megawatt. Die Technik basiert auf dem Cool-Load-Megawatt-Stecker, der 2023 mit dem Power2Drive Award ausgezeichnet wurde. Statt länglicher Pins nutzt das System ringförmig angeordnete Kontaktflächen, die unabhängig von der Ausrichtung des Steckers funktionieren. Nach dem Einführen werden die Kontakte mechanisch geschlossen und mit hohem Druck verbunden. Eine von paXos veröffentlichte Testdokumentation beschreibt eine Übertragung von 4.000 Ampere bei 1.500 Volt über 46 Minuten. Grundsätzlich gibt der Hersteller einen Leistungsbereich von drei bis zwölf Megawatt an. "Der Markt verlangt das und wir können es jetzt auch liefern", sagte Entwickler Peter Hakenberg gegenüber electrive. Zur Finanzierung der Markteinführung fand sich laut Hakenberg der Investor FunderNation, woraus die Ausgründung als akroVA GmbH entstand.
Das Fraunhofer-Institut für Verkehrs- und Infrastruktursysteme IVI aus Dresden verfolgt einen anderen Weg: sein Underbody Charging System (UBCS) schafft den Handgriff ganz ab. Das Fahrzeug fährt über eine in den Boden integrierte Ladeeinheit, die sich automatisch mit einer Schnittstelle am Fahrzeugunterboden verbindet. Die Energie wird konduktiv übertragen, die Kontaktflächen werden elektromagnetisch verriegelt. Für schwere Nutzfahrzeuge ist das System auf bis zu 1.250 Volt und 4,5 Megawatt ausgelegt, deckt aber laut Fraunhofer dieselbe Fahrzeugschnittstelle bereits ab 22 Kilowatt ab. Das vom Bundeswirtschaftsministerium geförderte Projekt MEGA-LADEN endete im November 2024 mit einer Demonstration in Berlin; die Stadtreinigung Dresden testet eine Ausführung im kommunalen Betrieb. Die Systemnorm IEC TS 61851-26 für automatische Unterbodenverbindungen erschien Anfang 2026. Eine erste Version der zugehörigen Ladeschnittstellen-Norm wird laut Gruppenleiter Ladeinfrastruktur Dr. Sven Klausner vom Fraunhofer IVI in der ersten Jahreshälfte 2027 erwartet.
Daneben existieren weitere Ansätze: Pantografen, wie sie Schunk mit bis zu einem Megawatt für Busse und Lkw anbietet, sowie das Verteilen der Ladeleistung auf mehrere Anschlüsse, wie es etwa der chinesische Hersteller Sany mit bis zu 800 kW über zwei oder vier parallele Anschlüsse praktiziert.
Die entscheidende Frage ist nicht, ob diese Systeme technisch funktionieren, sondern wo sie eingesetzt werden. MCS hat durch die breite Industrieunterstützung und die internationale Standardisierung einen erheblichen Vorsprung für den öffentlichen Fernverkehr an Autobahnen und Truck-Charging-Hubs. Auf Betriebshöfen, in Häfen oder bei autonomen Fahrzeugen sieht die Rechnung anders aus: Dort, wo Fahrzeuge täglich dieselben Stellplätze anfahren, kann eine automatische Unterbodenlösung ihren Mehraufwand durch einfachere Abläufe ausgleichen. Für akroVA gilt: Sechs Megawatt durch einen Stecker zu schicken ist eine Sache, Fahrzeughersteller zum Einbau passender Buchsen und Betreiber zur Investition in die Infrastruktur zu bewegen eine andere.
Quellen
- 01electrivewww.electrive.net/2026/07/23/megawatt-laden-im-e-lkw-gibt…
- 02pv magazine Deutschlandwww.pv-magazine.de/2026/07/22/brand-eines-15-megawatt-batt…
- 03pv magazine Deutschlandwww.pv-magazine.de/2026/07/15/bundesnetzagentur-erwartet-n…
- 04electrivewww.electrive.net/2026/07/15/kooperatives-e-lkw-ladenetz-…
- 05ecomentofeeds.feedblitz.com/~/960481289/0/ecomento_de~EnBW-will-Mar…