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Schalldrosselung frisst Windpark-Rendite: 0,3 Cent entscheiden über Wirtschaftlichkeit

Nächtliche Lärmbeschränkungen kosten Windparks bis zu elf Prozent Jahresertrag, während Ausschreibungspreise auf 5,54 ct/kWh gesunken sind.

11%
mehr Ertrag ohne Drosselung

Bei der Bundesnetzagentur-Ausschreibung im Februar 2026 lag der durchschnittliche Zuschlagswert bei 5,54 ct/kWh. Gleichzeitig steigen Bau- und Finanzierungskosten. In diesem Umfeld wird ein bisher wenig beachtetes Problem zum echten Risiko: Windparks, die nachts wegen Schallschutzauflagen gedrosselt laufen oder einzelne Anlagen komplett abschalten müssen.

Das Rechenbeispiel von Dezibel Engineering zeigt, wie eng die Margen sind. Eine moderne 6-MW-Anlage an einem Standort mit 55 Prozent Standortgüte nach EEG 2023 erzielt durch den Korrekturfaktor von 1,42 eine tatsächliche Vergütung von 7,95 ct/kWh bei einem Zuschlagswert von 5,6 ct/kWh. Mit rund 2.200 Volllaststunden im gedrosselten Nachtbetrieb kommt die Anlage auf 13.200 MWh Jahresertrag und knapp 1.050.000 Euro Umsatz. Die Wirtschaftlichkeitsschwelle liegt aber erst bei einem Zuschlagswert von 5,9 ct/kWh. Nur 0,3 Cent pro Kilowattstunde trennen das Projekt von der Realisierung.

"Wenn ein Windpark nachts dauerhaft gedrosselt laufen muss, kann das schnell zum Projektrisiko werden", sagt Fischer, Geschäftsführer der Dezibel Engineering GmbH. Das Unternehmen hat in abgeschlossenen Projekten an über 100 Windenergieanlagen in 29 Windparks zusätzliche Stromerträge von über 82 Millionen kWh pro Jahr erschlossen, indem es Schallschutzauflagen per Änderungsverfahren nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz überprüfen und anpassen ließ. Im Rechenbeispiel steigt der Jahresertrag durch den Wegfall unnötiger Drosselungen auf rund 14.650 MWh, ein Zuwachs von etwa elf Prozent, und das Projekt wird wirtschaftlich.

Das Problem entsteht oft schon in der Genehmigungsphase: Planer treffen vorsichtige Schallschutzannahmen, die dann über die gesamte Lebensdauer des Windparks gelten, obwohl sie bei genauerer Prüfung nicht erforderlich wären. Gerade nachts weht der Wind stärker, gleichzeitig gelten strengere Immissionsrichtwerte. Die Kombination aus niedrigen Ausschreibungspreisen und konservativen Genehmigungsauflagen kann Projekte kippen, die technisch und standortmäßig eigentlich funktionieren würden.

Während das Schallproblem die Wirtschaftlichkeit bestehender und geplanter Anlagen belastet, zeigen aktuelle Meldungen aus der Branche, dass der Ausbau weiterläuft. PNE hat in Schleswig-Holstein den Windpark Gnutz Ost mit drei Anlagen und 18 MW in Betrieb genommen, der jährlich rund 11.600 Drei-Personen-Haushalte versorgen soll. Nordex erhielt von NeXtWind einen Auftrag über 112 MW für einen Repowering-Windpark in der Altmark in Sachsen-Anhalt, 16 Anlagen des Typs N175/6.X auf 179 Meter Nabenhöhe, Inbetriebnahme geplant für Frühjahr 2028. Und MVV Trading hat gemeinsam mit re:cap global investors den Windpark Kürrenberg mit 15,25 MW im März 2026 für den Sekundärregelleistungsmarkt präqualifiziert, ein Zeichen dafür, dass Windkraft zunehmend auch zur Netzstabilisierung beiträgt.

Der Druck auf die Projektwirtschaftlichkeit bleibt dennoch hoch. Wer Schallschutzauflagen nicht aktiv überprüft, verschenkt möglicherweise Erträge, die über Erfolg oder Misserfolg einer Finanzierung entscheiden.

Quellen

  • 01
    Windkraft-Journalwww.windkraft-journal.de/2026/06/25/naechtliche-windpark-schalld…
  • 02
    Windkraft-Journalwww.windkraft-journal.de/2026/06/24/die-pne-gruppe-hat-den-windp…
  • 03
    Windkraft-Journalwww.windkraft-journal.de/2026/06/24/nordex-group-erhaelt-von-nex…
  • 04
    Windkraft-Journalwww.windkraft-journal.de/2026/06/17/acoustiscan-macht-offshore-w…
  • 05
    Windkraft-Journalwww.windkraft-journal.de/2026/06/23/mvv-trading-und-recap-global…

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