Die Stadtreinigung Leipzig hat ein Verfügbarkeitsproblem: Ihre 16 Brennstoffzellen-Müllfahrzeuge des Typs Faun BluePower kamen im betrachteten Zeitraum im Schnitt nur auf 45,6 Prozent Einsatzzeit. Zum Vergleich: Für konventionelle Diesel-Müllabfuhren werden rund 80 Prozent angesetzt. Das geht aus der Antwort des Eigenbetriebs auf eine Anfrage des fraktionslosen Stadtrats Stefan Rieger hervor.
Als Ursachen nennt die Stadtreinigung technische Störungen, Wartungs- und Reparaturbedarfe sowie "Einschränkungen im Zusammenhang mit der neuen Antriebstechnologie". Letzteres bleibt in der offiziellen Antwort unkonkret. Damit die Müllentsorgung trotzdem läuft, stellt Hersteller Faun bei Ausfall kostenlose Diesel-Ersatzfahrzeuge bereit. Die H2-Flotte macht immerhin ein Drittel der gesamten Abfallsammelfahrzeuge in Leipzig aus, ein kompletter Ausfall wäre also spürbar.
Die Anschaffungskosten für die 16 Fahrzeuge lagen bei rund 17,66 Millionen Euro, also durchschnittlich 1,1 Millionen Euro pro Fahrzeug. Vergleichbare Diesel-Lkw hätten zusammen rund 5,65 Millionen Euro gekostet. Die Mehrkosten von rund 12 Millionen Euro wurden allerdings größtenteils durch Fördermittel aus dem Nationalen Innovationsprogramm Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NIP) gedeckt. Bei der Stadt Leipzig verblieben netto rund 1,2 Millionen Euro an Mehrkosten.
Die Beschaffungsentscheidung fiel 2020 und 2021, zu einem Zeitpunkt, als weder batterieelektrische noch wasserstoffbetriebene Schwerlastfahrzeuge nennenswerte Praxiserfahrung vorweisen konnten. Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal betonte laut dem Stadtratsbericht, dass alle 16 Fahrzeuge noch unter Herstellergarantie stehen. Faun trägt damit derzeit sämtliche Kosten, die durch die technische Unzuverlässigkeit entstehen, und bleibt in der Pflicht, bis die Fahrzeuge vollständig einsatzfähig sind. Die Stadt sei in direktem Dialog mit dem Hersteller, an eine Rückabwicklung denke niemand.
Die Leipziger Stadtwerke haben eigens eine Wasserstofftankstelle für die Fahrzeugflotte eingerichtet. Das Projekt gilt als eines der größten seiner Art in Deutschland. Für die Stadtreinigung ist die Lage dennoch klar: Die aktuelle Verfügbarkeit reiche für den Regelbetrieb noch nicht aus, und man arbeite prioritär daran, sie zu erhöhen.
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